Der Brandbrief von US-Präsident Trump hat beim türkischen Präsidenten offenbar das Gegenteil der erhofften Wirkung erzielt. Das Büro von Recep Tayyip Erdoğan bestätigte der BBC, dass der Empfänger den Brief aus dem Weißen Haus "in den Mülleimer geworfen" habe.

Erdoğan habe das Schreiben "durch und durch abgelehnt", twitterte der ehemalige Türkei-Korrespondent des britischen Rundfunks, Mark Lowen, unter Berufung auf das Büro. Der Präsident habe demnach bereits entschieden gehabt, die geplante Militäroffensive zu starten, schrieb Lowen weiter. Trumps Brief habe dann den letzten Anstoß dazu gegeben.

US-Präsident Donald Trump hatte in einem Brief mit undiplomatischer Sprache Erdoğan vor einem Einmarsch in Nordsyrien gewarnt. "Seien Sie kein Narr!", schrieb er am 9. Oktober, jenem Tag, an dem die Türkei ihre Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG begann. Erdoğan werde sonst als "Teufel" in die Geschichte eingehen, heißt es in dem Brief weiter. Das Schreiben war durch ein Posting von Trish Regan auf Twitter öffentlich geworden. Sie ist Moderatorin beim konservativen Nachrichtensender Fox News.

Nordsyrien - Türkei weist Forderung der USA nach Waffenstillstand zurück Recep Tayyip Erdoğan will sich nicht aufhalten lassen. Die USA hatte nach der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien einen Waffelstillstand gefordert. © Foto: Lefteris Pitarakis/AP Photo

Die Türkei hatte vergangene Woche ihre Offensive gegen die YPG-Miliz begonnen. Trump hat den Militäreinsatz scharf kritisiert und Sanktionen gegen die türkische Führung verhängt – vorher hatte er die Offensive durch einen Abzug von US-Soldaten aus der Region erst ermöglicht. Trump steht deswegen im Ausland und in seiner Heimat in der Kritik.