Es war nicht das erste Mal in den vergangenen Wochen, dass die US-Medien schon im Vorfeld einer Kongressanhörung mit großen Enthüllungen rechneten. Am Dienstag war es wieder soweit. Im Rahmen der Impeachmentermittlungen gegen Donald Trump sagte dessen Interimsbotschafter in der Ukraine William Taylor aus. Wie bei den bisherigen Anhörungen fand auch diese Befragung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Was aus seiner Anhörung nach außen drang, war dennoch brisant. Die New York Times und die Washington Post veröffentlichten seine Stellungnahme auf ihren Websites.

Im Gegensatz zu den bisherigen Aussagen von Regierungsmitarbeitenden hatte Taylor zum ersten Mal konkrete Indizien dafür, dass der US-Präsident Militärhilfe für die Ukraine persönlich an Ermittlungen geknüpft habe. Dabei soll es um seinen politischen Rivalen Joe Biden und dessen Sohn Hunter sowie um die mutmaßliche Einmischung der Ukraine in die Präsidentschaftswahl 2016 gegangen sein. In einem 15 Seiten langen Eingangsstatement schildert der 72-jährige Taylor, wie er im Rahmen seiner Tätigkeit in der Ukraine erst die Schattendiplomatie von Trumps Anwalt Rudy Giuliani entdeckte und schlussendlich dahinter kam, dass die US-Regierung mutmaßlich ihre Unterstützung für die Ukraine von einem öffentlichen Bekenntnis zu Trumps Forderungen abhängig machen würde.

Tim Morrison, ein Regierungsmitarbeiter im Weißen Haus, habe Taylor davon in Kenntnis gesetzt. Morrison erzählte, dass der US-Botschafter bei der Europäischen Union Gordon Sondland einem ukrainischen Regierungsberater gesagt habe, dass die Militärhilfe ohne die angeforderten Ermittlungen nicht ausgezahlt würde. Sondland selbst habe Taylor außerdem telefonisch mitgeteilt, dass Trump ihm seinerseits gesagt habe, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Ermittlungen sogar öffentlich ankündigen solle. Zum ersten Mal in den seit vier Wochen andauernden Anhörungen schildert ein Zeuge somit eine direkte Anweisung des Präsidenten, die durchaus nach jenem Quidproquo klingt, das Trump immer verneint hat. Trumps Gegner im Kongress feiern Taylors Aussage als Durchbruch und als den für "den Präsidenten bisher schädlichsten Bericht".

Nur scheinbarer Durchbruch

Doch Taylors Aussage hilft den Demokraten nur auf den ersten Blick. Berichte über Trumps Fehlverhalten wurden Taylor von Sondland und Morrison vorgetragen – der 72-Jährige hat seine Informationen nur aus zweiter Hand. Um weitere Erkenntnisse zu erlangen, muss der Kongress also weiter ermitteln.

Taylors Aussage dürfte deshalb in aller erster Linie die Impeachmentermittlungen weiter in die Länge ziehen. Die ersten Demokraten haben bereits gefordert, dass der am vergangenen Donnerstag bereits vom Kongress vernommene Gordon Sondland nun erneut aussagt. Dieser hatte in seiner Vernehmung nämlich angegeben, dass er von einem Kuhhandel der US-Regierung mit der Ukraine nichts wisse. Der Wahrheitsgehalt seiner Aussage steht nun infrage. Tim Morrison selbst soll auch vor dem Kongress aussagen und widerspricht möglicherweise den Darstellungen Taylors. Wann genau diese Anhörung stattfinden soll, ist noch unklar.

Mit jeder neuen Information und jeder Vernehmung zieht sich der Prozess potenziell in die Länge. Die Demokraten hatten eigentlich angestrebt, bis zum Thanksgiving-Fest Ende November eine Anklageschrift gegen den Präsidenten an den Senat zu überstellen. Dessen republikanischer Mehrheitsführer Mitch McConnell hatte mit seinen Parteifreunden sogar schon einen Zeitplan für den Prozess im Senat erarbeitet. Doch bereits am Montag drang nach außen, dass die Demokraten ihre eigene Deadline angesichts der neuen Erkenntnisse wohl nicht einhalten werden. Aus einem schnellen Verfahren könnte dank der kleinteiligen Ergebnisse eine äußerst langatmige Untersuchung werden.