US-Außenminister Mike Pompeo hat das umstrittene Telefongespräch zwischen Präsident Donald Trump und dessen ukrainischem Kollegen Wolodymyr Selenskyj mit angehört. "Ich war bei dem Telefonat dabei", sagte Pompeo. Auf eine Frage zum Inhalt des Gesprächs antwortete er lediglich, er sei in den amerikanisch-ukrainischen Beziehungen gut bewandert.

Trump hatte Selenskyj in dem Telefongespräch am 25. Juli zu Ermittlungen gegen den aussichtsreichen demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden und dessen Sohn Hunter ermuntert. Die Demokraten im Kongress werten dies als Machtmissbrauch und Verfassungsbruch und haben Voruntersuchungen zu einer möglichen Amtsenthebung Trumps in die Wege geleitet, einem sogenannten Impeachment-Verfahren.

Trump wies die Vorwürfe zurück und bezeichnet das angestrebte Amtsenthebungsverfahren als "Putsch" und politisches Manöver der Demokraten. Es handle sich um Wahlbetrug und den Versuch, den Bürgerinnen und Bürgern der Vereinigten Staaten ihre Macht wegzunehmen, schrieb Trump auf Twitter.

Pompeo soll vor Ausschüsse geladen werden

US-Medien hatten bereits berichtet, dass Pompeo an dem Telefonat beteiligt gewesen sei. Die Demokraten fordern deshalb, dass Mitarbeiter des Außenministeriums vor dem Kongress aussagen. Pompeo lehnte das ab. Vorgeladen ist unter anderem der inzwischen zurückgetretene Sondergesandte für die Ukraine, Kurt Volker.

Donald Trump - "Impeachment … deswegen?" Die Ukraine-Affäre könnte den US-Präsidenten das Amt kosten. Oder? Wie es zu dem Skandal kam und wie das Amtsenthebungsverfahren ablaufen würde, erklärt Rieke Havertz im Video.

Die Vorsitzenden der drei ermittelnden Ausschüsse im Repräsentantenhaus schrieben, Pompeo stehe in einem Interessenkonflikt und werde selbst als Zeuge vorgeladen werden. Er solle daher "keine Entscheidungen" mehr treffen in Bezug auf die Aussage weiterer Zeugen aus dem Außenministerium oder der Freigabe von Dokumenten, mahnten die Abgeordneten in dem Schreiben an Vizeminister John Sullivan. Bereits im Verlauf der Woche sollen verschiedene Zeugen angehört werden.

US-Präsident Trump soll bereits wegen der Ermittlungen zur Russland-Affäre mehrere ausländische Regierungen um Unterstützung gebeten haben. Die italienische Zeitung Corriere della Sera berichtete, Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte habe die Erlaubnis für Gespräche zwischen Gennaro Vecchione, seinem Geheimdienstchef, und US-Justizminister Bill Bar gegeben. Bei zwei Treffen mit Vecchione habe Barr versucht, Informationen zur Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller zu erhalten.

Australiens Premier spricht von "ziemlich ereignisloser Unterhaltung"

Australiens Premierminister Scott Morrison hatte ein Telefonat mit Trump bereits bestätigt. Kritik an dem Gespräch wies er nun zurück und sprach von einer "ziemlich ereignislosen Unterhaltung". Nach Medienberichten soll der US-Präsident Australiens Premierminister gebeten haben, ihm bei Ermittlungen zu helfen, mit denen Muellers Nachforschungen gegen Trump diskreditiert werden sollten.

Einem Bericht der britischen Times zufolge kontaktierte Trump zudem den britischen Premier Boris Johnson. Das Vereinigte Königreich und Australien spielen in der Russland-Affäre eine wichtige Rolle: Die US-Bundespolizei FBI hatte ihre Ermittlungen zur russischen Wahlkampfeinmischung nach einem Hinweis eines australischen Diplomaten in Großbritannien eingeleitet.

US-Sonderermittler Robert Mueller hatte untersucht, ob Trump im Wahlkampf 2016 Hilfe aus Russland bekam. Mueller hatte bei seinen Ermittlungen zur Russland-Affäre zwar keine hinreichenden Belege für illegale Geheimabsprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam mit Russland gefunden. Vom Verdacht strafbarer Justizbehinderung entlastete er Trump jedoch nicht.