Umbrien ist eine kleine italienische Region. Sie hat nicht einmal eine Million Einwohnerinnen und Einwohner. Rund 700.000 davon sind im Wahlalter. Das Gewicht Umbriens in der Politik Italiens ist also bescheiden. Aber was sich hier am vergangen Wahlsonntag ereignete, löste italienweit Erschütterung aus: Die Rechte erreichte bei der Regionalwahl 57 Prozent der Stimmen. Das ist ein sensationelles Ergebnis. Denn Umbrien war über Jahrzehnte von Sozialdemokraten regiert. Eine rote Region. Und spektakulär ist das Resultat der Lega von Matteo Salvini, die Teil der rechten Wahlkoalition ist: 37 Prozent. Die Sozialdemokraten sind mit rund 16 Prozentpunkten Abstand die zweitstärkste Partei. Die Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) stürzte von 27 Prozent auf etwas mehr als sieben Prozent ab. Sozialdemokraten und M5S stellen die Regierung in Rom.

Der Wahlsieg Salvinis steht im Widerspruch zu der letzthin beliebt gewordenen These vom Peak Populism, die besagt, der europäische Populismus habe demnach seinen Höhepunkt überschritten. Dieser These verhalf ausgerechnet Matteo Salvini zu Popularität.

Anfang August löste er als amtierender italienischer Innenminister eine Regierungskrise aus, um eine Neuwahl zu erzwingen. Er versprach sich davon die "ganze Macht", wie er es ausdrückte. Seine Lega lag damals in Umfragen landesweit bei fast 40 Prozent der Stimmen – sehr weit vor jedem anderen Konkurrenten. Doch Salvini erreichte sein Ziel nicht. Flugs bildete der Partner der Lega, die 5-Sterne-Bewegung, mit den Sozialdemokraten und einer kleinen linken Partei eine Koalition. Salvini landete auf der Oppositionsbank.

Noch einmal gut gegangen, dachten sich viele, besonders in Brüssel. Denn Salvini attackierte die EU ohne Unterlass. Er gerierte sich mitunter wie der von Wladimir Putin höchstselbst beauftragte Zerstörer der EU. Nicht auszudenken, wenn er Ministerpräsident Italiens geworden wäre. Italien ist immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft Europas, Gründungsstaat der Europäischen Union wie auch das höchst verschuldete EU-Land. Das Land stand immerhin vor wenigen Jahren schon mal kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Das Aufatmen war deutlich spürbar. Peak Populism wurde flugs ausgerufen – der Gipfel des Populismus sei überschritten. 

Salvini sollte ferngehalten werden – um jeden Preis

Die neue Regierung in Rom bekam umgehend Unterstützung aus Brüssel zugesagt. Mehr Flexibilität im Haushalt? Kein Problem mehr. Auch bei der Migration versprach man Hilfe. Salvini sollte von der Macht ferngehalten werden, um fast jeden Preis.

Das ist ein verständlicher Wunsch. Nur hat er einen entscheidenden Nachteil: Im Sommer wollten fast 40 Prozent der Italienerinnen und Italiener, dass Salvini an der Macht bleibt. Sie wollten, dass er Ministerpräsident wird. Stattdessen bekamen die Bürgerinnen und Bürger eine Koalition vorgesetzt, die sich selbst gern als Koalition der Vernunft und der Reformen darstellt. Aber trotz dieser hochtrabenden Rhetorik können die nun regierenden Parteien ein Geburtsmerkmal nicht verbergen.