In dem veröffentlichten Protokoll zu dem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj fehlen nach Angaben eines Zeugen wichtige Punkte. Das sagte Alexander Vindman, Ukraine-Experte im Nationalen Sicherheitsrat der USA, in einer nicht öffentlichen Sitzung vor dem Kongress aus, berichten mehrere US-Medien. Das Telefonat steht im Zentrum der Affäre um einen möglichen Amtsmissbrauch durch den US-Präsidenten.

Trump hatte Selenskyj in dem Telefonat Ende Juli zu Ermittlungen ermuntert, die seinem politischen Rivalen, dem demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden, schaden könnten. Hintergrund ist das frühere Engagement von Bidens Sohn bei einem in der Ukraine tätigen Energieunternehmen namens Burisma. Die Demokraten haben den Verdacht, dass US-Militärhilfe als Druckmittel für die Forderung nach Ermittlungen gegen die Bidens eingesetzt wurde. Sie werfen Trump daher Machtmissbrauch vor und haben Ermittlungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten eingeleitet.

Vindman hatte das Gespräch damals nach eigenen Angaben live mitgehört. In der Kongress-Sitzung soll er gesagt haben, Trump habe in dem Telefonat etwa auf Tonaufnahmen von Joe Biden zur Ukraine hingewiesen, und Selenskyj habe explizit Burisma in dem Gespräch erwähnt. Beides tauche in dem vom Weißen Haus veröffentlichten Gesprächsprotokoll aber nicht auf - dabei habe Vindman sich bemüht, dies dort zu ergänzen, erklärte er demnach.

Donald Trump - "Impeachment … deswegen?" Die Ukraine-Affäre könnte den US-Präsidenten das Amt kosten. Oder? Wie es zu dem Skandal kam und wie das Amtsenthebungsverfahren ablaufen würde, erklärt Rieke Havertz im Video.

"Ich war besorgt über den Anruf"

"Ich war besorgt über den Anruf", hieß es in dem vorab verbreiteten Eingangsstatement von Vindman. "Ich hielt es nicht für richtig, von einer ausländischen Regierung zu verlangen, gegen einen US-Bürger zu ermitteln." Es habe die Gefahr bestanden, "dass die nationale Sicherheit der USA untergraben wird". Zudem sei er wegen der Auswirkungen auf die amerikanische Unterstützung für die Ukraine besorgt gewesen.

Das vom Weißen Haus veröffentlichte Gesprächsprotokoll basiert auf Notizen von Regierungsmitarbeitern. Eine wörtliche Mitschrift wurde bislang nicht herausgegeben. Ein anonymer Hinweisgeber hatte der Regierungszentrale hier Vertuschungsversuche vorgeworfen: Es sei ein Wortprotokoll angefertigt worden, das nach dem Gespräch auf Anweisung von Juristen aus gewöhnlich dafür vorgesehenen Datenbank im Weißen Haus entfernt und stattdessen in einem besonders geschützten System gespeichert wurde.

Vindman ist der erste Mitarbeiter des Weißen Hauses, der sich der Anweisung des US-Präsidenten widersetzt, nicht bei den Untersuchungen im Amtsenthebungs-Verfahren gegen ihn auszusagen.