Bei einem Festessen zum 30. Jahrestag des Mauerfalls soll Bundeskanzlerin Angela Merkel den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron hart angegangen sein. Wie die New York Times berichtet, habe Merkel zunächst zwar Verständnis für Macrons "Verlangen nach disruptiver Politik" geäußert. Dann jedoch habe sie gesagt: "Aber ich bin müde, die Scherben aufzusammeln. Wieder und wieder muss ich die Tassen zusammenkleben, die Sie zerbrochen haben, damit wir beide uns dann hinsetzen und gemeinsam eine Tasse Tee trinken können." Offiziell bestätigt ist diese Wortwahl nicht. 

Die Zeitung sah diese Äußerung in unmittelbarem Zusammenhang mit jenem kurz zuvor veröffentlichen Interview, in dem Macron mit Blick auf die Kriegsbestrebungen des Nato-Mitglieds Türkei in Nordsyrien den Satz gesagt hatte: "Was wir derzeit erleben, ist der Hirntod der Nato."

Laut New York Times hat Macron sich Merkel gegenüber dann mit den Worten "Ich kann nicht dasitzen und so tun, als sei nichts passiert" verteidigt. Die Zeitung sieht damit "ernstliche Belastungen" im deutsch-französischen Verhältnis und weitere Spannungen rund um das kommende Nato-Treffen im Dezember in London.

In der Vergangenheit war es schon häufiger zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Merkel und Macron gekommen, im Sommer etwa bei der Wahl des EU-Kommissionspräsidenten oder zuvor schon grundsätzlicher bei der Frage nach Reformen in der Europäischen Union. Mit Blick auf den jüngsten Streit verwies die New York Times nun auch noch einmal auf Macrons – von Russland begrüßtes – Veto zu den EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien.