Die afghanische Regierung ist zu einem Gefangenenaustausch mit den radikalislamischen Taliban bereit. Das gab Präsident Aschraf Ghani bekannt. Demnach will die Regierung drei hochrangige Taliban-Mitglieder aus dem Gefängnis freilassen, unter ihnen auch Anas Hakkani, der jüngere Bruder des Anführers des Hakkani-Netzwerkes und Vizechefs der Taliban, Siradschuddin Hakkani. Bedingung für die Freilassung sei allerdings, dass die Taliban im Gegenzug zwei von ihnen entführte ausländische Professoren freilassen, die an der Amerikanischen Universität in Afghanistan (AUAF) tätig waren.

Die Taliban stimmen dem Gefangenenaustausch laut einem Bericht der New York Times zu. Vertreter der Extremisten bestätigten, der Austausch stehe unmittelbar bevor. Bislang hatten sich die Taliban geweigert, direkt mit der afghanischen Regierung zu sprechen. Ghani sowie seine Minister gelten ihnen als "Marionetten" des Westens.

Bei den von den Extremisten entführten Wissenschaftlern handelt es sich um den US-Amerikaner Kevin King und seinen australischen Kollegen Timothy Weeks. Sie gehören zu den zahlreichen Dozenten aus westlichen Ländern, die an der 2006 eröffneten Elite-Hochschule in Kabul unterrichten. Im August 2016 wurden sie im Zentrum der afghanischen Hauptstadt von bewaffneten Männern in Militäruniform entführt. Später veröffentlichten die Taliban ein Video mit den Professoren. Immer wieder forderte die AUAF ihre Freilassung, immer wieder gab es Berichte, King sei gesundheitlich schwer angeschlagen.

Auch Bruder des Taliban-Vizes soll freikommen

Ghani bestätigte, dass sich die Gesundheit der beiden während ihrer Gefangenschaft "bei den Terroristen" verschlechtert habe. Der Präsident nannte keine weiteren Details, fügte aber hinzu, dass durch eine Freilassung von King und Weeks erstmals auch direkte Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban ermöglicht würden. Diese "schwierige, aber wichtige" Entscheidung könnte zu mehr Frieden und Stabilität in Afghanistan führen.

Unter den drei Taliban-Vertretern, die Ghani freilassen will, befindet sich auch Anas Hakkani, dessen älterer Bruder Siradschuddin Hakkani der Anführer des Hakkani-Netzwerkes und Vizechef der Taliban ist. Die Hakkanis und ihre Milizen stehen hinter einigen der grausamsten Anschläge in Afghanistan – deutschen Sicherheitskreisen zufolge auch hinter dem Anschlag auf die deutsche Botschaft in Kabul im Mai 2017. Anas Hakkani soll sich dabei vor allem um die Finanzierung der Terroraktionen gekümmert und Gelder aus den Golfstaaten besorgt haben.