Der Iran startet eine neue Reihe von 30 modernen Zentrifugen und verstößt damit ein weiteres Mal gegen den internationalen Vertrag über sein Atomprogramm. Das Land betreibe jetzt 60 IR-6-Zentrifugen zur Anreicherung von Uran – doppelt so viele wie bisher, sagte der Chef der Atomenergieorganisation. Sein Land produziere nun täglich fünf Kilogramm angereicherten Urans, was einer Steigerung um das Zehnfache gegenüber der noch vor zwei Monaten produzierten Menge entspricht. Außerdem entwickle Iran eine Zentrifuge, die 50-mal schneller arbeite als im Atomvertrag zugelassen.

Das 2015 geschlossene Abkommen zwischen dem Iran und den fünf UN-Vetomächten sowie Deutschland schreibt vor, dass der Iran sein Atomprogramm so beschränkt, dass er keine Kernwaffen bauen kann. Im Gegenzug wurden Sanktionen aufgehoben. Die USA zogen sich 2018 aus dem Abkommen zurück und haben seither wieder Maßnahmen verhängt. Die übrigen Vertragspartner erklärten zwar, sie wollten am Abkommen festhalten, doch die Regierung in Teheran verlangt, sie sollen die Wirkungen der US-Sanktionen ausgleichen. Der Iran reagiert, indem einzelne Vertragsbestimmungen nicht mehr eingehalten werden.

Vertragspartner unter Druck setzen

Iran will die europäischen Vertragspartner Frankreich, Großbritannien und Deutschland unter Druck zu setzen. Sie sollen aus Sicht der islamischen Republik einen Weg finden, wie im Handel mit dem Iran die bestehenden US-Sanktionen umgangen werden können.

Zunächst stoppte Iran den Export von überschüssigem Uran und sogenanntem schwerem Wasser aus seinem Atomprogramm. Anschließend erhöhte das Land den Grad der Uran-Anreicherung über das erlaubte Maß hinaus.

Die im Vertrag zugelassenen 5.060 Zentrifugen sind ein Zehntel so schnell wie die IR-6. Durch den Einsatz schnellerer Zentrifugen verkürzt der Iran die Zeit, die er nach Ansicht von Expertinnen brauchen würde, um atomwaffenfähiges Material herzustellen. Der Iran hat stets versichert, er strebe nicht nach Atomwaffen, sondern wolle das Uran für friedliche Zwecke nutzen.