Der Iran hat die Urananreicherung in der Atomanlage Fordo offiziell wiederaufgenommen. Das teilte die iranische Atomenergiebehörde mit. Laut Präsident Hassan Ruhani handle es sich um die "vierte Etappe" des schrittweisen Rückzugs aus dem internationalen Atomabkommen. Die Anlage befindet sich 180 Kilometer südlich von der Hauptstadt Teheran.

In der Folge des 2015 geschlossenen Abkommens war die Anzahl der Zentrifugen in den unterirdischen Urananreicherungsanlagen Fordo und Natans um mehr als zwei Drittel auf 5.060 reduziert worden. Gemäß dem Abkommen hätte der Iran erst ab 2025 die Urananreicherung wieder ausbauen dürfen.

Bereits zu Beginn der Woche hatte der Iran die Entwicklung neuer Zentrifugen bekannt gegeben. Das Land betreibe jetzt 60 IR-6-Zentrifugen zur Anreicherung von Uran – doppelt so viele wie bisher, so der Chef der Atomenergiebehörde. Damit würden nun täglich fünf Kilogramm angereichertes Uran produziert werden. Das entspricht einer Steigerung um das Zehnfache gegenüber der noch vor zwei Monaten produzierten Menge.

Zusätzlich zu der erneuten Überschreitung der Grenze für Urananreicherung hat der Iran einer Inspekteurin der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) die Akkreditierung entzogen. Das sei geschehen, nachdem vergangene Woche bei der Mitarbeiterin ein Alarm ausgelöst worden sei, weil der Verdacht bestanden habe, sie könnte ein "verdächtiges Produkt" bei sich haben, teilte die iranische Atomenergiebehörde mit. Die Inspekteurin sei nach Wien ausgereist – dort hat die IAEA ihren Sitz. Aus IAEA-Kreisen wird verlautet, dass sich die 35 Mitglieder des Gouverneursrates in einer Sondersitzung mit dem Iran befassen wollen.

Seit US-Präsident Donald Trump im Mai 2018 aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen ist, verfolgt seine Regierung mit immer neuen Sanktionen eine Politik des "maximalen Drucks" gegenüber dem Iran. Die iranische Regierung hielt sich zunächst weiter an die Vereinbarungen, verkündete aber am ersten Jahrestag des US-Austritts, ihre Verpflichtungen schrittweise zu reduzieren.