Die Bundesregierung hat ihre Zusammenarbeit mit Vertrauensanwälten in der Türkei ausgesetzt, nachdem einer der Anwälte dort festgenommen wurde. Wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, wird der Anwalt derzeit in Einzelhaft gehalten. Das Amt habe keinen konsularischen Zugang zu ihm, denn er sei türkischer Staatsbürger.

Der Anwalt war Mitte September festgenommen worden. Er hatte als sogenannter Kooperationsanwalt für die Botschaft Angaben von türkischen Staatsbürgern überprüft, die in Deutschland Asyl beantragt haben. Nach seiner Festnahme hatte das Auswärtige Amt diese Tätigkeit als "die international übliche und aus unserer Sicht auch unstrittig zulässige Unterstützung" bezeichnet, außerdem als europaweit gängige Praxis. Die Inhaftierung des Juristen sei "nicht nachvollziehbar".

Nun sagte die Ministeriumssprecherin: Die Zusammenarbeit mit einheimischen Anwälten habe sich zwar in vielen Ländern bewährt, um Informationen über Asylbewerber einzuholen. In der Türkei arbeite das Auswärtige Amt derzeit aber nicht mehr mit solchen Anwälten zusammen.

Durch die Festnahme des Anwalts könnten Akten von 43 Asylbewerbern in die Hände der türkischen Behörden und des Geheimdiensts geraten sein. Angaben des Bundesinnenministeriums zufolge wird das in den Asylverfahren der 43 Betroffenen berücksichtigt. Allerdings könne ihnen nicht pauschal der Schutzstatus gewährt werden, sagte ein Sprecher. Jeder Antrag müsse individuell geprüft werden.