Wegen der Straßenblockaden von Anhängern des gestürzten bolivianischen Präsidenten Evo Morales berichten Einwohner aus mehreren Städten des Landes von Nahrungsmittel- und Kraftstoffknappheit. Städte wie La Paz, El Alto, Sucre und Cochabamba mussten auf dem Luftweg mit Lebensmitteln versorgt werden, weil Kokabauern, die Morales unterstützen, Fernstraßen blockierten.

Sicherheitskräfte hatten den Bauern am Freitag gewaltsam den Weg zum Regierungssitz La Paz versperrt. Dabei waren neun Demonstranten getötet und Dutzende verletzt worden. Nach Angaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission starben seit Beginn der Unruhen in Bolivien 23 Menschen. Mehr als 700 wurden verletzt.

Morales war vor gut einer Woche nach fast 14 Jahren an der Macht unter dem Druck der Militärführung als Staatschef zurückgetreten. Am Dienstag vergangener Woche setzte er sich ins Exil nach Mexiko ab. Hintergrund waren massive Proteste an seiner umstrittenen Wiederwahl am 20. Oktober. Die oppositionelle Senatsvizepräsidentin Jeanine Áñez erklärte sich später zur Übergangsstaatschefin und kündigte eine Neuwahl an. Diese muss sie binnen 90 Tagen organisieren.

Kirche will vermitteln

Anhänger des linken Ex-Staatschefs setzten Áñez in der Nacht zum Sonntag (Ortszeit) ein Ultimatum, binnen 48 Stunden zurückzutreten. Andernfalls würden sie weitere Straßensperren errichten. "Wenn sie zurücktreten würde, täte sie der Demokratie einen großen Gefallen", sagte Morales über Áñez.

Er will seine Anhänger nur unter bestimmten Bedingungen zur Beendigung ihrer Protestblockaden aufrufen. Erstens müsse seine Sicherheit und die seiner Mitstreiter garantiert sein, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Zweitens müssten die Todesfälle der vergangenen Tage aufgearbeitet werden.

Die katholische Kirche organisierte derweil einen Dialog zur Entschärfung des Konflikts. Es gebe den "Willen, voranzukommen", sagte Eugenio Scarpellini von der bolivianischen Bischofskonferenz. Übereinkünfte seien in Arbeit. Drei Viertel der bolivianischen Bevölkerung bekennen sich zum Katholizismus. Morales hatte zuletzt betont, dass er sich nach wie vor als Präsident Boliviens betrachte, und die Vereinten Nationen um Vermittlung gebeten.