Boliviens Präsident Evo Morales hat die Einberufung von einer Neuwahl in seinem Land angekündigt. Er reagierte auf einen Bericht der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), in dem es heißt, dass eine umstrittene Abstimmung am 20. Oktober wegen Unregelmäßigkeiten für nichtig erklärt werden sollte. Über die Ergebnisse der OAS berichteten zunächst CNN und BBC.

In ihren Überprüfungen der Wahlergebnisse stieß sie demnach auf Unregelmäßigkeiten bei den Auszählungen, auf Wahlzetteln und beim Schlussresultat. Außerdem habe sie feststellen können, dass das Übermittlungssystem zur Schnellauszählung manipuliert worden sei. Morales kündigte neben der Neuwahl auch an, er werde die Mitglieder des Wahlvorstandes ersetzten.

Der langjährige Staatschef hatte mit 47,08 Prozent in der Präsidentschaftswahl nur knapp gegen seinen bürgerlichen Gegenspieler Carlos Mesa (36,51 Prozent) gewonnen. Die Schnellauszählung der Wählerstimmen war allerdings für rund 20 Stunden ausgesetzt worden, wofür die Gründe bis heute nicht transparent nachvollziehbar sind. Die Opposition wirft der Regierung Wahlbetrug vor.

Auch die Polizei soll rebelliert haben

Daraufhin kam es zu Massenprotesten in Bolivien. Die Demonstrantinnen und Demonstranten prangerten ebenfalls Wahlbetrug an, forderten den Rücktritt von Morales und eine Neuwahl. Die Gewaltausbrüche im Land nahmen in den vergangenen zwei Wochen täglich zu. Es kam zu vielen Verletzten und drei Toten.

Zuletzt hatten die Protestierenden die beiden Staatssender Bolivia TV und Radio Patria Nueva (RPN) besetzt. Die Mitarbeiter seien "gewaltsam verjagt und bedroht worden", sagte RPN-Chef Ivan Maldonado der Nachrichtenagentur AFP. Dutzende Mitarbeiter verließen das Gebäude unter den Buhrufen Hunderter Demonstranten.

Berichten zufolge rebellierten zudem in mehreren Regionen des Landes Polizisten gegen ihn. Der Oppositionsführer Luis Fernando Camacho dankte der Polizei auf Twitter dafür, dass sie auf der Seite des Volks stehe. Morales rief die Polizei vor Reportern dazu auf, die Verfassung zu erfüllen.

Morales, der seit 2006 im Amt ist, sprach von einem Putschversuch gewalttätiger Gruppen. Der Präsident will, wenn es nach ihm geht, bis zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit 2025 an der Macht bleiben. Unter dem linken Regierungschef floriert Bolivien: Die Förderung von Gas und Lithium bescherte dem Armenhaus Südamerikas zeitweise Wachstumsraten von mehr als sechs Prozent. Doch das zunehmend selbstherrliche und autoritäre Gehabe des Staatschefs stößt immer mehr Bolivianern bitter auf. Vor allem die Menschen im wirtschaftlich starken Osten des Landes fühlen sich von Morales über den Tisch gezogen.