Boliviens Übergangsregierung will alle Diplomaten Venezuelas wegen Einmischung in interne Staatsangelegenheiten ausweisen. Dem Personal der venezolanischen Botschaft in La Paz, das die Regierung von Präsident Nicolás Maduro vertrete, werde eine Frist gegeben, bis zu der es das Land zu verlassen habe, teilte die neue kommissarische Außenministerin, Karen Longaric, bei einer Pressekonferenz mit. Es gebe Beweise für die Beteiligung venezolanischer Bürger an gewaltsamen Protesten gegen die Übergangsregierung. Neun Venezolaner, bei denen großkalibrige Waffen gefunden worden sein sollen, wurden festgenommen.

Bolivien trete zudem aus dem auf Initiative Venezuelas gegründeten Regionalbündnis Alba-TCP (Bolivarianische Allianz für Amerika) aus und prüfe einen Austritt aus dem Staatenbund Unasur, sagte Longaric. Zudem seien die politisch ernannten Botschafter der Regierung unter dem Ex-Präsidenten Evo Morales – mit Ausnahme derjenigen im Vatikan und in Peru – ihrer Aufgaben entbunden worden.

Hunderte kubanische Ärzte verlassen das Land

Morales, der Bolivien seit 2006 als erster indigener Präsident regiert hatte, war am Sonntag – nur drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl – auch unter dem Druck von Militär und Polizei zurückgetreten. Der Sozialist, der für eine vierte Amtszeit kandidierte, hatte sich nach der Abstimmung am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt. Die Opposition und internationale Beobachter hatten ihm Wahlbetrug vorgeworfen. Morales, der seit Dienstag im Exil in Mexiko ist, spricht von einem Putsch. Die von Sozialisten regierten Staaten Venezuela und Kuba waren die engsten Verbündeten der Morales-Regierung.

Auch Hunderte kubanische Ärzte sollen Bolivien verlassen. Nach einer Mitteilung des kubanischen Außenministeriums vom Freitag traf der Inselstaat diese Entscheidung, nachdem vier kubanische Mediziner am Mittwoch in Bolivien festgenommen worden waren. Ihnen werde vorgeworfen, Proteste dort finanziert zu haben. Das seien Lügen, hieß es. Für die Regierung in Havanna ist die Bereitstellung von Ärzten und Pflegern in verschiedenen Ländern eine wichtige Einnahmequelle.

Bolivien - Oppositionspolitikerin ernennt sich zu Boliviens Interimspräsidentin Die Ankündigung der Senatorin Jeanine Añez, das Amt der Interimspräsidentin anzutreten, hat in Bolivien neue Proteste ausgelöst. Die USA zogen ihr Botschaftspersonal ab. © Foto: Ronaldo Schemidt/AFP/Getty Images

Bei neuen gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Morales und Sicherheitskräften starben mindestens fünf Menschen. Weitere 34 Menschen wurden verletzt und 169 festgenommen, wie der Ombudsmann der Stadt Cochabamba, Nelson Cox, mitteilte. Die Anhänger von Morales versuchten, über Cochabamba nach La Paz zu marschieren, um ihre Unterstützung für den Ex-Präsidenten zu zeigen. Die Polizei und das Militär versperrten den Demonstranten den Weg auf einer Brücke in Sacaba, einem östlichen Vorort von Cochabamba. Die Toten wiesen Schusswunden auf, wie Cox sagte. Der Polizeichef von Cochabamba, Jaime Zurita, erklärte, die Morales-Anhänger hätten die Sicherheitskräfte mit Schusswaffen angegriffen.