US-Präsident Donald Trump und der britische Premierminister Boris Johnson haben ihre Absicht bekräftigt, ein Handelsabkommen für die Zeit nach einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union abzuschließen. Dies hätten sich Trump und Johnson in einem Telefonat am Dienstag versichert, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington. Dabei hätten die beiden Politiker ihr Ziel bekräftigt, die besonderen Beziehungen der beiden Länder durch ein "robustes bilaterales Freihandelsabkommen" für die Zeit nach dem britischen EU-Austritt zu stärken.

Zuletzt hatte es Zweifel an einem erfolgreichen Abschluss eines Handelsabkommens zwischen beiden Ländern gegeben. Trump hatte am Donnerstag den von Johnson nachverhandelten Brexit-Deal kritisiert und als Hindernis für ein solches Abkommen dargestellt. Dem britischen Radiosender LBC sagte Trump, "bestimmte Aspekte des Deals" machten den Abschluss eines Handelsabkommens zwischen den USA und Großbritannien unmöglich. "Dieser Deal... man kann es nicht machen, man kann keinen Handel treiben", so Trump in dem Telefoninterview mit dem Chef der Brexit-Partei Nigel Farage, der auf LBC eine eigene Sendung hat.

Zuvor hatte Trump dagegen wiederholt seine Bereitschaft für ein solches Abkommen signalisiert und gesagt, die USA und Großbritannien arbeiteten an einem "großartigen Handelsabkommen" für die Zeit nach dem Brexit.

Großbritannien hofft darauf, durch ein Freihandelsabkommen mit den USA den transatlantischen Warenaustausch zu erhöhen. Damit soll der Wegfall europäischer Absatzmärkte durch den EU-Austritt zum Teil kompensiert werden. Solange das Vereinigte Königreich noch Mitglied der Europäischen Union ist, kann es allerdings ein solches Abkommen nicht abschließen, da Freihandelsabkommen von der EU zentral für alle Mitgliedsstaaten vereinbart werden. Die Frist für den Austritt Großbritanniens wurde mittlerweile auf den 31. Januar verschoben.

Johnson fordert Aussetzung der Importzölle

Wie das Büro des Sprecher von Premierminister Johnson mitteilte, ging es in dem Gespräch mit Trump auch um die kürzlich von den USA verhängten Importzölle auf einzelne Produkte aus der EU. So habe Johnson die USA aufgefordert, die Importzölle auf schottischen Whisky wieder zurücknehmen. Außerdem habe er verlangt, die von Trump angedrohten Zölle auf Autoimporte aus der EU nicht umzusetzen.

Die USA hatten Mitte Oktober Importzölle in Höhe von 25 Prozent auf zahlreiche Produkte aus der EU erlassen – darunter etwa Wein aus Frankreich oder Whisky und Scotch aus Schottland. Die Strafzölle verteuern die Einfuhr europäischer Produkte in die USA, weshalb einige Verbraucher auf günstigere Alternativen ausweichen. Dies führt wiederum zu sinkenden Einnahmen bei europäischen Produzenten.

Die USA hatten die Zölle Anfang Oktober als Vergeltung für rechtswidrige EU-Subventionen für den Flugzeugbauer Airbus angekündigt. Schlichter der Welthandelsorganisation (WTO) hatten der US-Regierung das Recht zugesprochen, Importzölle von bis zu 100 Prozent auf Waren im Wert von 7,5 Milliarden Dollar zu erheben. Mitte November will die US-Regierung zudem über die Einführung von Zöllen auf Autoimporte aus der EU entscheiden.

Die EU hat bereits mit Gegenmaßnahmen gedroht, denn sie hatte in einem ähnlichen Verfahren um Subventionen für den US-Luftfahrtkonzern Boeing Recht bekommen. Die WTO-Entscheidung dazu wird aber erst 2020 fallen.