Auf einen britischen Kandidaten oder eine Kandidatin für die EU-Kommission muss Ursula von der Leyen warten. Großbritannien will nach Angaben aus Brüssel vor der Parlamentswahl am 12. Dezember niemanden nominieren. Das habe die britische Regierung der EU mitgeteilt, sagte ein EU-Sprecher.

Die designierte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat die britische Regierung bereits zwei Mal aufgefordert, jemanden zu benennen. Die Regierung in Großbritannien will aber vor der Parlamentswahl keine Fakten schaffen. Denn diese beeinflusst, wie es mit dem Brexit weitergeht.

Der Arbeitsbeginn der neuen Kommission hat sich bereits um einen Monat verzögert weil drei der Kandidaten von der Leyens aus Frankreich, Rumänien und Ungarn vom EU-Parlament abgelehnt wurden. Nun präsentieren sich Ersatzbewerber. Nach ihrer Anhörung im Rechtsausschuss müssen sie nun in den Fachausschüssen des Europaparlaments Rede und Antwort stehen.

Der Franzose Thierry Breton soll den Bereich Binnenmarkt und Industriepolitik übernehmen. Der 64-jährige leitete bisher das IT-Unternehmen Atos. Davor war er unter anderem Chef von France Télécom, von 2005 bis 2007 auch französischer Wirtschafts- und Finanzminister. Am Dienstag war Breton mit zwölf gegen elf Stimmen nur knapp durch die Prüfung auf Interessenskonflikte im Rechtsausschuss des EU-Parlaments gekommen. Insbesondere Linke und Sozialdemokraten kritisieren seine enge Verflechtung mit der Industrie, die aus ihrer Sicht in seinem Ressort Probleme bereitet.

Die ursprünglich vorgesehene frühere Verteidigungsministerin Sylvie Goulard war bei der Abstimmung in den zuständigen EU-Parlamentsausschüssen durchgefallen, wegen laufender Ermittlungen zu einer Affäre um Scheinbeschäftigung.

Der Ungar Oliver Varhelyi soll den Posten des Kommissars für Erweiterung und Nachbarschaftspolitik übernehmen. Der 47-jährige Diplomat vertritt bisher als "ständiger Vertreter" die Interessen seines Landes bei der EU und gilt als Brüssel-Insider. Er war zwischen 2011 und 2015 stellvertretender EU-Botschafter und von 2008 bis 2011 Abteilungsleiter in der EU-Kommission für gewerbliche Eigentumsrechte. Zuvor arbeitete der Jurist im ungarischen Justizministerium in der Abteilung für Europarecht.

Varhelyi ist Ersatzkandidat für Laszlo Trocsanyi, der ebenfalls wegen möglicher Interessenskonflikte scheiterte.

Die bisherige Europaabgeordnete Adina-Ioana Valean aus Rumänien ist für den Bereich Verkehr vorgesehen. Von 2014 bis 2017 war die Liberal-Konservative eine der Vize-Präsidentinnen der EU-Volksvertretung. Derzeit leitet die 51-Jährige den Ausschuss für Industrie und Forschung.

Valean ersetzt die ursprüngliche rumänische Kandidatin Rovana Plumb. Auch Plumb scheiterte in einer Prüfung von Interessenskonflikten im Rechtsausschuss. Grund waren Unklarheiten bei der Herkunft von Krediten der Sozialdemokratin von fast einer Million Euro.