Das Europäische Parlament hat mit deutlicher Mehrheit die Kandidaten für die Europäische Kommission von Ursula von der Leyen angenommen. Damit kann die neue Führung der Europäischen Union am Sonntag ihr Amt antreten. 461 Abgeordnete stimmten für von der Leyens Vorschlag, 157 dagegen. Das stark fragmentierte Parlament hatte zuvor drei Kommissare abgelehnt und damit die Amtsübernahme verzögert.

Zuvor hatte von der Leyen für Unterstützung im EU-Parlament geworben. "Die Welt braucht unsere Führungsstärke jetzt mehr denn je", sagte sie in Straßburg vor der Abstimmung. Europa habe die "größten Erfolge" erreicht, wenn es "kühn" gewesen sei. Von der Leyen betonte, dass es in erster Linie immer um die Menschen gehe.

Die drei größten Fraktionen im Parlament, die christdemokratische Europäische Volkspartei, die sozialdemokratische S+D und die liberale Renew, hatten ihre Unterstützung für von der Leyens Team angekündigt. Eine Mehrheit galt deshalb als sicher.

Zwölf Frauen und 15 Männer

Die Fraktionschefin der Grünen Ska Keller sagte vor der Abstimmung, dass ihre Fraktion sich des Votums enthalten werde. "Es gibt einige gute Kandidaten und einige, bei denen man Zweifel haben kann hinsichtlich möglicher Interessenkonflikte", erklärte Keller. Deshalb wolle man von der Leyen keinen Blankocheck für ihr Team ausstellen. Sie freue sich aber, dass Klima- und Umweltthemen im Programm der neuen Kommission eine Priorität genießen. "Wir sind allerdings nicht so sicher, ob den schönen Worten auch Taten folgen werden."

Die EU-Kommission legt Gesetze vor und überwacht die Einhaltung des gemeinsamen europäischen Rechts. Das Kollegium der Kommissare ist, ähnlich wie eine Regierung, in unterschiedlichen Ressorts organisiert. Die neue EU-Kommission besteht aus zwölf Frauen und 15 Männern. Wegen des bevorstehenden Brexits hat Großbritannien keinen Vertreter mehr nominiert und sich damit ein EU-Strafverfahren eingehandelt.

Neben von der Leyen, die als erste Deutsche seit 50 Jahren das Gremium anführen wird, gilt die Liberale Margrethe Vestager als wichtige Führungsfigur. Die Dänin ist exekutive Vizepräsidentin und zuständig für Digitales und Wettbewerb. Als Wettbewerbskommissarin in der bisherigen Kommission hat sie hohe Zahlungen unter anderem gegen Google, Facebook und Amazon durchgesetzt.

Der Sozialdemokrat Frans Timmermans wird als Vizepräsident zuständig für Klima und Umweltschutz. Der ehemalige niederländische Außenminister ist schon seit 2014 Erster Vizepräsident. Der Diplomat war bisher unter anderem für den Bereich Rechtsstaatlichkeit zuständig.