Die britische Polizei ermittelt gegen die Konservative Partei von Premierminister Boris Johnson. Dabei geht es um den Verdacht, illegal Einfluss auf die Parlamentswahl im Dezember genommen zu haben. Die Anschuldigungen lauteten Wahlbetrug und Amtsmissbrauch, teilte die Polizei mit.

Der Labour-Abgeordnete Charlie Falconer hatte die Polizei als Mitglied im Oberhaus am Freitag aufgefordert, entsprechenden Berichten nachzugehen. Demnach sollen die Konservativen versucht haben, Politiker der rechten Brexit-Partei zu überreden, ihre Kandidaturen für die Wahl zurückziehen. Falconer sagte, die Versuche würfen "ernsthafte Fragen über die Integrität" der Wahl am 12. Dezember auf und könnten gegen das Wahlrecht verstoßen.

Wenn weniger Kandidaten der Brexit-Partei antreten, könnten die Konservativen profitieren. Denn im britischen Mehrheitswahlrecht gewinnt der Kandidat mit den meisten Stimmen im jeweiligen Wahlkreis – und ein Großteil der Wähler der Brexit-Partei dürfte zu den Tories wechseln.

In Umfragen liegen die Tories deutlich vorn

Die Konservativen sollen Konkurrenten der Brexit-Partei mit Jobs gelockt haben. Deren Parteichef Nigel Farage beschuldigte hochrangige Mitglieder der Konservativen, "unsere Kandidaten angerufen und ihnen Jobs angeboten zu haben, falls sie zurückziehen". Im britischen Telegraph warf er Johnsons Partei "Korruption" vor, die an ein Land wie Venezuela erinnere.

Diese Behauptungen bezeichnete Johnson als Unsinn. Er sei sicher, dass es Gespräche zwischen Politikern aller Parteien gebe, aber niemandem sei ein Posten angeboten worden sein, sagte er der BBC. Anfang der Woche hatte Farage überraschend angekündigt, seine Partei werde in 317 Wahlkreisen, die zuletzt von der Konservativen Partei gewonnen wurden, nicht antreten.

Aktuelle Umfragen sehen Johnsons Tories vorn. Demnach wollen 40 Prozent der Wähler für die Konservative Partei stimmen, 30 Prozent für Labour, 16 Prozent für die Liberalen und nur sieben Prozent für die Brexit-Partei.