In Hongkong sind zwei Deutsche festgenommen worden. Die beiden würden vom deutschen Generalkonsulat betreut, hieß es am Freitag aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Die Zeitung Bild berichtete unter Berufung auf Aktivisten in Hongkong, es handle sich bei den beiden um Austauschstudenten der Lingnan-Universität. An der Hochschule habe es zuletzt Ausschreitungen gegeben.

Die Protestbewegung fordert umfassende demokratische Reformen und die Absetzung der prochinesischen Regierung, zuletzt ging es dabei vor allem um die bevorstehenden Bezirksratswahlen. In Hongkong hatten am Freitag den fünften Tag in Folge Tausende Anhänger der Demokratiebewegung Straßen blockiert und das Gelände von Universitäten besetzt. Am Dienstag war es an mehreren Hochschulen zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Vor allem an der Chinesischen Universität feuerte die Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen auf Demonstranten, die Barrikaden errichtet hatten. Demonstranten schleuderten Steine auf Polizisten. Aus Angst vor Angriffen flohen aus Festland-China stammende Studenten aus Hongkong.

Massenproteste - Weiteres Todesopfer bei Demonstrationen in Hongkong Ein 70-Jähriger ist am Rande der Proteste in Hongkong gestorben. Er ist der zweite Tote im Zusammenhang mit den zunehmend gewalttätigen Demonstrationen. © Foto: Reuters/Adnan Abidi

Noch ein weiteres Todesopfer

Währenddessen hat es am Rande der Proteste ein weiteres Todesopfer gegeben. Wie die Behörden am Donnerstagabend mitteilten, erlag ein 70-jähriger Mann seiner schweren Verletzung.

Lokale Medien berichteten, dass der Mann am Mittwoch in einer Auseinandersetzung zwischen Antiregierungsdemonstranten und Anwohnern von einem Pflasterstein am Kopf getroffen worden war. Der 70-Jährige hatte demnach mit anderen versucht, von Demonstranten zur Blockade ausgelegte Steine von der Straße zu räumen. In anderen Berichten hieß es, er habe auch Videos und Fotos gemacht. Die Polizei stufte die Tat als Mord ein.

Auf einem Video des tödlichen Vorfalls ist zu erkennen, wie sich schwarz gekleidete Demonstranten und eine andere Gruppe mit Steinen und anderen Objekten bewerfen. Der Mann wird von einem Objekt getroffen und fällt zu Boden.

Vergangene Woche war ein Student nach einem Sturz aus dem dritten Stock eines Parkhauses gestorben. Protestierende machen die Polizei verantwortlich. 

Übergriff auf Hongkongs Justiziministerin

Die britische Polizei ermittelt unterdessen wegen eines mutmaßlichen Angriffs von Demonstranten auf Hongkongs Justizministerin in London. Teresa Cheng Yeuk-wah sei von Dutzenden China-Gegnern und Unabhängigkeitsbefürwortern umringt und attackiert worden, teilte die chinesische Botschaft in London am Freitag mit. Sie sei zu Boden gestoßen worden und habe sich an der Hand verletzt.

Scotland Yard bestätigte, dass eine Frau am Donnerstagabend mit Verletzungen am Arm ins Krankenhaus gebracht wurde, äußerte sich aber zum Hergang zurückhaltend. Die Ermittlungen zu den Hintergründen dauerten an, hieß es. Festnahmen habe es keine gegeben.

Seit Juni gehen in Hongkong immer wieder Hunderttausende Menschen auf die Straße. Sie protestieren für mehr Demokratie. Es kommt regelmäßig zu schweren Ausschreitungen, die Polizei geht mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen gegen die Proteste vor.