Es war keine gute Woche für Donald Trump, weder im Impeachment-Verfahren noch im schon länger schwelenden Streit um seine Steuerunterlagen. Zum ersten Mal hat der Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses im Amtsenthebungsverfahren zwei wichtige Zeugen öffentlich vernommen: George Kent, einen hochrangigen Diplomaten aus dem Außenministerium, und William Taylor, den US-Botschafter in der Ukraine. Die Anhörung erhärtete den Verdacht, dass Amerikas 45. Präsident die Ukraine erpressen wollte. Und im Steuerstreit hat die Justiz angeordnet, dass Trumps Steuerunterlagen für die vergangenen acht Jahre herausgegeben werden müssen. Der Präsident wehrt sich mit Händen und Füßen.

Kent und Taylor hatten schon vor geraumer Zeit bei ihren Vorgesetzten schwere Bedenken geäußert. Sie hatten gemeldet, Präsident Trump habe am 25. Juli in einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten offenbar die Freigabe amerikanischer Militärhilfe von knapp 400 Millionen Dollar davon abhängig machen wollen, dass ukrainische Staatsanwälte gegen Trumps innenpolitischen Gegenspieler, den ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden, und dessen Sohn Hunter wegen angeblicher Korruption ermitteln.

Trump höchstpersönlich

In der Anhörung wurde Botschafter Taylor jetzt noch konkreter. Er berichtete, einer seiner Mitarbeiter habe am 26. Juli ein Telefonat zwischen dem amerikanischen EU-Botschafter Gordon Sondland und Trump mitgehört. Sondland war bis vor Kurzem ein enger Vertrauter von Trump. Er wurde, obwohl die Ukraine nicht zu seinem Geschäftsbereich gehört, vom Präsidenten eigens beauftragt, sich mit um die Regierung in Kiew zu kümmern. Dem Untersuchungsausschuss hatte er zunächst in einer vertraulichen Anhörung mitgeteilt, entgegen der allgemeinen Annahme habe Trump von der Ukraine keinerlei persönliche Gegenleistung verlangt. In einer zweiten Aussage allerdings hatte sich Sondland korrigiert.

In dem besagten Telefonat vom 26. Juli soll Gordon Sondland nun den Präsidenten auf dessen Handy angerufen und ihn über den Stand der ukrainischen Ermittlungen gegen Joe und Hunter Biden informiert haben. Nach dem Ende des Gesprächs, so berichtete Botschafter Taylor, habe sein Mitarbeiter Sondland gefragt, was Trump denn so über die Ukraine denke. Daraufhin soll Sondland geantwortet haben, dass sich der Präsident mehr für die Ermittlungen gegen die Bidens als für die Ukraine interessiere. Mittlerweile soll sogar noch ein zweiter Zeuge aufgetaucht sein, der das gleiche Gespräch ebenfalls mithörte.

Warum das wichtig ist? Zum einen widerlegt das Handy-Telefonat Trumps Behauptung, er habe Sondland eigentlich gar nicht gekannt. Zum anderen bestätigt es den Verdacht, Trump habe höchstpersönlich auf die ukrainischen Ermittlungen gedrängt – und nicht etwa nur Leute aus seinem Stab und Beraterkreis wie etwa der zwielichtige Anwalt Rudolph Giuliani.

Der Untersuchungsausschuss möchte weitere Zeugen hören, die bislang auch noch nicht in geheimer Sitzung ausgesagt haben: zum Beispiel den Stabschef des Weißen Hauses Mick Mulvaney oder Trumps geschassten Nationalen Sicherheitsberater John Bolton, oder Mitarbeiter eines finanziellen Aufsichtsgremiums, die Auskunft über die Zurückhaltung der Militärhilfe geben könnten.