Indien - Angela Merkel fordert neuen Anlauf für EU-Indien-Freihandelsabkommen Die Bundeskanzlerin hat sich für einen neuen Versuch für ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU stark gemacht. 2013 waren derartige Verhandlungen gescheitert. © Foto: Michael Kappeler/dpa

Die Bundesregierung will das Anwerben von Fachkräften aus Indien forcieren. "Unser Vorschlag ist, dass die Außenhandelskammern bei der Rekrutierung Anlaufpunkte sind", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Besuch in Neu-Delhi. In enger Abstimmung mit den Konsulaten sollten etwa Visa-Anträge vorbereitet werden. Deutsche Firmen beschweren sich seit Langem über die langwierigen Visa-Verfahren für benötigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch das Auswärtige Amt und das Innenministerium. Noch dieses Jahr solle es klärende Gespräche über das neue Verfahren mit der Wirtschaft geben, kündigte Merkel an. In einigen südlichen EU-Staaten waren über die Kammern bereits Fachkräfte angeworben worden.

Merkel will mit Indien auch stärker in den Bereichen Verkehr, Digitalisierung, Innovationen, Gesundheit und Landwirtschaft zusammenarbeiten. Die Kanzlerin sagte, sie setze sich für einen neuen Anlauf zu einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ein. Sie habe darüber sehr ausführlich mit Ministerpräsident Narendra Modi beraten, sagte Merkel. Ein 2007 begonnener Versuch für ein solches Abkommen war im Jahr 2013 unterbrochen worden. Damals habe es Probleme gegeben, was das öffentliche Beschaffungssystem und die Landwirtschaft angeht.

Eine Milliarde Euro aus Deutschland für neue E-Busse

Insgesamt sieht Merkel gute Chancen für mehr deutsche Investitionen in Indien. So werde Deutschland in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Euro für die Modernisierung des indischen Nahverkehrs bereitstellen. Damit sollen etwa 500 E-Busse und der Austausch von 2.000 alten Diesel-Bussen finanziert werden. Merkel hatte bereits am Freitag gesagt, dass der indische Markt sehr viel Potenzial habe und dass sie auf Aufträge für deutsche Firmen etwa beim Ausbau der Infrastruktur in dem Land mit 1,3 Milliarden Menschen hoffe. So gebe es Gespräche über eine deutsche Beteiligung an den geplanten Hochgeschwindigkeitsstrecken im Bahnsektor. Wirtschaftsstaatssekretär Christian Hirte (CDU) bezeichnete vor allem die Zusammenarbeit deutscher Firmen mit indischen IT-Unternehmen als chancenreich.

Auch beim Klimaschutz und der innovativen Technologie würden Deutschland und Indien künftig stärker als bisher bei nachhaltigen Themen kooperieren, sagte Kanzlerin Merkel. Allerdings müssten dafür bürokratische Hürden abgeschafft werden. Darüber habe sie mit Ministerpräsident Modi gesprochen. So gebe es bereits ein beschleunigtes Verfahren für deutsche Firmen, mit dem die indische Regierung bei Problemen helfen wolle. Solche Anlaufpunkte sollten auch auf Bundesstaatenebene in Indien etabliert werden. Deutsche Unternehmen halten sich unter anderem wegen komplizierter bürokratischer Verfahren mit Investitionen in Indien zurück.