Iran - Mehr als 100 Tote bei Protesten Bei den Protesten im Iran sollen mehr als 100 Menschen getötet worden sein. Davon geht Amnesty International aus. Die iranische Regierung meldete bisher neun Tote. © Foto: Ameer Al Mohammedaw/dpa

Trotz Internetsperre wird bekannt, wie sich die Situation im Iran verschärft: Bei den landesweiten Protesten im Iran gegen höhere Benzinpreise sind nach Informationen von Amnesty International mindestens 106 Menschen in 21 Städten getötet worden. Verifiziertes Videomaterial, Aussagen von Augenzeugen und Informationen von Aktivisten außerhalb des Iran offenbarten ein entsetzliches Muster gesetzeswidriger Tötungen durch iranische Einsatzkräfte, teilte die Menschenrechtsorganisation mit. Videobilder zeigen mit Autos blockierte Autobahnen, friedlich demonstrierende Menschen, die Parolen rufen, aber auch Gerangel zwischen bewaffneten und unbewaffneten Menschen, auf dem Straßenbelag brennende Feuer, auch Schüsse von Uniformierten sind zu hören. 

Die Angaben von Amnesty stehen im Gegensatz zu den Angaben in staatlich kontrollierten Medien. Demnach sollen seit Freitag neun Menschen ums Leben gekommen sein; vier Demonstrierende, drei Mitglieder der Revolutionsgarden und zwei Polizisten. Etwa 1.000 Menschen seien festgenommen worden.

Der Iran steckt in einer Wirtschaftskrise, die durch die US-Sanktionen gegen das Land ausgelöst wurde. Als Konsequenz daraus hatte die iranische Regierung in der Nacht zum Freitag Benzin rationiert und zugleich die Kraftstoffpreise erhöht, was heftige Proteste auslöste.

Das Vorgehen der iranischen Einsatzkräfte löste international Kritik aus. Das UN-Menschenrechtsbüro rief die Regierung in Teheran auf, mit der Bevölkerung in einen Dialog zu treten. "Proteste dieser Art und dieses Ausmaßes sind ein Zeichen für tief sitzende und oft begründete Missstände, die nicht einfach beiseitegeschoben werden können", sagte ein UN-Sprecher. Er rief die Regierung auch dazu auf, den Zugang zum Internet und zu anderen Kommunikationsformen sofort wiederherzustellen.

Medienberichten zufolge wurden mehrere Fußballspiele der Ersten Liga in Städten im Süden und Nordwesten des Landes abgesagt. Dort sollen die Unruhen besonders stark sein.

Die US-Regierung legt es mit einer Politik des "maximalen Drucks" darauf an, die Regierung in Teheran zu einer Neuverhandlung des internationalen Atomabkommens zu zwingen. Sie hatte die Gewalt gegen Demonstranten und die Internetsperre bereits kritisiert. Die Bundesregierung hatte den Protest als legitim bezeichnet und die iranische Führung zur Achtung von Versammlungs- und Meinungsfreiheit aufgefordert.