Die USA wollen weiter gegen den "Islamischen Staat" (IS) kämpfen und auch künftig die internationale Koalition gegen die Dschihadistenmiliz anführen. Das machte US-Außenminister Mike Pompeo bei einer Konferenz der beteiligten Staaten in Washington deutlich. "Wir können jetzt nicht aufhören", sagte er. "Wir müssen sicherstellen, dass der IS nie wieder an Stärke gewinnt."

Frankreich hatte das Treffen gefordert, nachdem US-Präsident Donald Trump Anfang Oktober den Abzug der US-Truppen aus Nordsyrien angeordnet hatte. Das hatte international Irritationen ausgelöst und die Angst geweckt, der IS könne davon profitieren. Pompeo räumte nun ein, die Terrormiliz stelle auch außerhalb von Syrien und dem Irak weiterhin eine Bedrohung dar. Die Koalition müsse sich etwa auf Westafrika und die Sahelzone konzentrieren.

In den Staaten der Sahelzone – einem Gebiet, das sich südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Roten Meer erstreckt – sind etliche bewaffnete Gruppen aktiv, einige haben dem "Islamischen Staat" oder dem Terrornetzwerk Al-Kaida die Treue geschworen. Vor allem in Mali sowie in den angrenzenden Ländern Burkina Faso und Niger kommt es immer wieder zu Angriffen und Anschlägen.

"Der Kampf gegen den IS ist eine lange Willensprüfung", sagte Pompeo. Es gehe um den Kampf "zwischen Zivilisation und Barbarei". "Die Vereinigten Staaten werden weiterhin die Koalition und die Welt bei diesem zentralen Sicherheitsprojekt anführen", sagte der US-Außenminister. Zugleich rief er erneut die internationalen Partner auf, ihre Staatsbürger zurückzuholen, die sich der Dschihadistenmiliz angeschlossen hatten. Die europäischen Heimatländer müssten diese Kämpfer "für die von ihnen begangenen Gräueltaten" zur Rechenschaft ziehen.

"Wir haben Millionen von Menschen aus der Tyrannei gerettet"

Pompeo sagte, die Koalition könne sehr stolz sein auf die Zerstörung des sogenannten IS-Kalifats. "Wir haben Millionen von Menschen aus der Tyrannei gerettet." Nun gehe es darum, die Region zu stabilisieren und dafür zu sorgen, dass der IS dort nicht wieder Fuß fasse. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg mahnte ebenfalls: "Der Kampf ist nicht vorbei. Der IS ist weiter eine Bedrohung." Der IS hat seine einstigen Herrschaftsgebiete im Irak und in Syrien verloren und gilt militärisch als besiegt. Nach einem Bericht der Anti-IS-Koalition vom Juni halten sich in dem Gebiet aber noch zwischen 14.000 und 18.000 IS-Anhänger auf, darunter 3.000 Ausländer.

Ende Oktober hatten Spezialkräfte des US-Militärs den IS-Anführer Abu Bakr Al-Bagdadi in einem Gehöft im Nordwesten Syriens aufgespürt. Dort zündete er US-Angaben zufolge eine Sprengstoffweste und starb. Der IS bestätigte später den Tod des Anführers und benannte Abu Ibrahim al-Haschimi al-Kuraischi zum Nachfolger. Pompeo sagte, der Tod Al-Bagdadis zeige, dass es kein Machtvakuum mit Blick auf die Führungsrolle der Amerikaner gebe. Die Vereinigten Staaten hätten im Norden Syriens zwar Soldaten verlegt, erhielten aber eine gewisse Präsenz in dem Land.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen, der die Bundesregierung bei der Konferenz in Washington vertrat, sagte, die Koordinierungsarbeit innerhalb der Anti-IS-Koalition sei komplizierter geworden nach dem überraschenden Rückzug der Amerikaner aus Nordsyrien und der türkischen Invasion in dem Gebiet. Gleichzeitig gebe es besorgniserregende Entwicklungen mit Blick auf die Umgruppierung terroristischer Kräfte in Syrien und im Irak. Es sei daher entscheidend, sich für das weitere Vorgehen auf eine gemeinsame Linie zu verständigen. Die Konferenz sei ein wichtiges Zeichen, dass der Kampf gegen den IS nicht beendet sei.