Der mit einer Regierungsbildung in Israel gescheiterte Oppositionschef Benny Gantz hat eine "breite Einheitsregierung" mit dem rechten Likud von Benjamin Netanjahu gefordert. Zugleich appellierte er an Ministerpräsident Netanjahu, der sich wegen Korruption vor Gericht verantworten soll, zurückzutreten. Netanjahu müsse die Entscheidungen des israelischen Rechtssystems und den Willen der Wählerinnen und Wähler respektieren, zurücktreten und für seine Unschuld kämpfen, sagte Gantz vom Mitte-Bündnis Blau-Weiß.

Gantz schlug eine Aufteilung der Macht vor. "Ich werde in den ersten zwei Jahren Ministerpräsident sein", sagte er. In dieser Zeit könnte Netanjahu seine juristischen Probleme klären. Das Justizministerium hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, Netanjahu solle wegen Betrugs und Untreue sowie Bestechlichkeit angeklagt werden.

Gantz will dritte Neuwahl verhindern

Sollte Netanjahu freigesprochen werden, könnte er wieder in das Amt des Regierungschefs zurückkehren, versprach Gantz. "Das ist die einzige Möglichkeit, um eine Neuwahl zu verhindern." Nach der Parlamentswahl im September verfügt Israel immer noch nicht über eine neue Regierung, weil sich die Parteien nicht auf eine Koalition einigen konnten. Am Donnerstag begann eine letzte dreiwöchige Frist, innerhalb derer eine dritte Neuwahl binnen eines Jahres noch abgewendet werden könnte.

Die Regierungsbildung gestaltet sich schwierig, weil weder das rechts-religiöse noch das Mitte-links-Lager über eine Mehrheit verfügt. Blau-Weiß war mit 33 von 120 Mandaten als stärkste Kraft aus der Wahl am 17. September hervorgegangen. Netanjahus Likud kam auf 32 Mandate. Vor Gantz war bereits Netanjahu mit der Regierungsbildung gescheitert.

Netanjahu beharrt bisher darauf, weiter als Ministerpräsident dienen zu wollen. Er warf den zuständigen Behörden unsaubere Arbeit bei den Ermittlungen vor.