Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro hat ein Verbot des Zuckerrohranbaus für die Feuchtgebiete am Amazonas und im Pantanal aufgehoben, einem der größten Sumpfgebiete der Welt. Das Verbot war vor zehn Jahren von der Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva per Dekret verhängt worden. Umwelt- und Klimaschützerinnen kritisierten die Entscheidung der brasilianischen Regierung. Sie sehen beide Ökosysteme, die eine wichtige Rolle für das Weltklima spielen, als bedroht an. 

So kritisierte das Observatório do Clima, ein Bündnis aus örtlichen Umweltgruppen, den Beschluss des ultrarechten und wirtschaftsfreundlichen Präsidenten. Die generelle Erlaubnis des Zuckerrohranbaus "setzt zwei empfindliche ökologische Gebiete der plündernden und wirtschaftlich nicht zu rechtfertigenden Expansion von Zuckerrohr aus", rügten die Umweltschützer. Außerdem mache es das "Image der Nachhaltigkeit" zunichte, das für Ethanol aus Brasilien mühsam aufgebaut worden sei.

Das brasilianische Landwirtschaftsministerium wies Vorwürfe zurück, mit der Freigabe des Zuckerrohranbaus für die Gewinnung des Biotreibstoffs Ethanol werde das Pantanal gefährdet. Das bisherige Schutzdekret sei überholt, denn seit seiner Verabschiedung seien andere Gesetze zum Schutz des Pantanals und der Regenwälder am Amazonas in Kraft getreten.

Brasilien ist der weltgrößte Zuckerrohrproduzent. Laut Branchenverband Unica wurde die Pflanze 2018 auf mehr als zehn Millionen Hektar Land angebaut. Unica teilte mit, auch ohne das Dekret von 2009 müsse die Ethanolproduktion in Brasilien "von Anfang bis Ende nachhaltig sein".

Schlechte Nachricht fürs Klima

Die Abschaffung des Dekrets ist auch über Brasilien hinaus von Bedeutung, denn die riesigen Waldgebiete des Landes spielen eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Der Amazonasregenwald ist eine der wichtigsten Kohlendioxidsenken der Erde. Doch er wurde in den vergangenen 50 Jahren bereits um rund 17 Prozent abgeholzt. Der Wald erzeugt seinen eigenen Regen und erhält sich dadurch selbst – aber durch die Rodungen gerät der Wasserhaushalt durcheinander und wenn die abgeholzte Fläche ein bestimmtes Maß überschreitet, kann er ganz kippen. Forschern zufolge könnte dies schon bei 20 bis 25 Prozent Abholzung der Fall sein.

Das brasilianische Institut für Weltraumforschung (INPE) hatte erst am Montag mitgeteilt, dass im Pantanal derzeit die schlimmsten Brände seit Jahren wüten. Allein im Oktober gab es laut INPE 2.430 Feuer – mehr als 20-mal so viele wie im Vorjahresmonat. Rund 122.000 Hektar Land seien davon betroffen. Im Amazonasgebiet sank die Zahl der Brände demnach im Oktober zwar auf ein Rekordminimum. In der gesamten Zeit seit Jahresbeginn gab es allerdings noch 29 Prozent mehr Waldbrände im Amazonasgebiet als im gleichen Zeitraum 2018. Häufig sind Rodungen die Ursache für die Feuer. Sie werden traditionell genutzt, um Flächen für die Agrarwirtschaft zu gewinnen.

Bolsonaro, der den menschengemachten Klimawandel anzweifelt, hat seit seinem Amtsantritt zum Jahresbeginn eine Reihe von Schritten veranlasst, die das Vordringen der in Brasilien sehr mächtigen Agrarwirtschaft in das wald- und artenreiche Amazonasgebiet erlaubt.