Der wegen Korruption verurteilte und inhaftierte brasilianische Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ist aus dem Gefängnis entlassen worden. Der 74-Jährige verließ am Freitag das Polizeipräsidium von Curitiba, wo er seit April 2018 eine Haftstrafe wegen Korruption verbüßt hatte. Die brasilianische Justiz hatte die Freilassung angeordnet. Es gebe "keinerlei Grundlage mehr für den Vollzug der Strafe", begründete der zuständige Richter die Anordnung.

Lula reckte nach seiner Entlassung die Faust in die Höhe. Anhänger schwenkten rote Fahnen und hielten Schilder mit der Aufschrift "Befreit Lula" in die Höhe. In seiner ersten Rede vor Anhängern vor dem Gefängnis in der Stadt Curitiba kündigte er an, weiterhin für seine Unschuld zu kämpfen und warf der "verrotteten" Polizei, Staatsanwaltschaft und Richtern vor, daran zu arbeiten, "die Linke zu kriminalisieren". Es wird befürchtet, dass seine Freilassung die Spannungen in dem tief gespaltenen Land verschärft. Lulas Anhänger und Gegner riefen zu Protesten am Wochenende auf.

Vorausgegangen war Lulas Entlassung eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, der zufolge in erster und zweiter Instanz verurteilte Straftäter bis zur Ausschöpfung aller möglichen Rechtsmittel frei bleiben dürfen. Neben Lula könnten durch das Urteil auch Tausende weitere Häftlinge freikommen.

Lula war für schuldig befunden worden, einem Bauunternehmen im Gegenzug für die Zusage einer Strandwohnung lukrative Aufträge für die Regierung verschafft zu haben. Zwischenzeitlich wurde seine Haftstrafe bereits auf mehr als acht Jahre verkürzt. Der Ex-Präsident und seine linke Arbeiterpartei beteuern seine Unschuld.

Die Korruptionsvorwürfe bezeichnete Lula als Versuch, ihn von seiner erneuten Kandidatur bei der Wahl im vergangenen Jahr abzuhalten, die letztlich der ultrarechte Jair Bolsonaro gewann. Kritiker argumentieren, mit Lula sei ein korrupter Politiker zur Rechenschaft gezogen worden. An der Staatsspitze stand der ausgesprochen populäre Lula von 2003 bis Anfang 2011.