Der zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilte brasilianische Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva könnte vorübergehend aus der Haft entlassen werden. Der Oberste Gerichtshof entschied, dass in erster und zweiter Instanz verurteilte Straftäter bis zur Ausschöpfung aller möglichen Rechtsmittel frei bleiben dürfen. Damit ermöglichen die Richter die Freilassung von Tausenden Verurteilten, darunter auch Lula.

Die Anwälte Lulas teilten mit, sie wollten seine "sofortige Freilassung" beantragen.

Lula verbüßt seit 2018 eine Haftstrafe, die zwischenzeitlich bereits auf mehr als acht Jahre verkürzt wurde. Er wurde für schuldig befunden, einem Bauunternehmen im Gegenzug für die Zusage einer Strandwohnung lukrative Aufträge für die Regierung verschafft zu haben. Der Ex-Präsident und seine linke Arbeiterpartei beteuern seine Unschuld.

Die Korruptionsvorwürfe bezeichnete Lula als Versuch, ihn von seiner erneuten Kandidatur bei der Wahl im vergangenen Jahr abzuhalten, die letztlich der ultrarechte Jair Bolsonaro gewann. Andere Kritiker argumentieren, mit Lula sei ein korrupter Politiker zur Rechenschaft gezogen worden. An der Staatsspitze stand der ausgesprochen populäre Lula von 2003 bis Anfang 2011.