Namibias Staatschef Hage Geingob hat erwartungsgemäß die Präsidentschaftswahl gewonnen. Der Chef der Partei South-West African People's Organisation (SWAPO) wurde  mit 56,3 Prozent der Stimmen wiedergewählt, wie die Wahlkommission bekannt gab. Mit 29,4 Prozent der Stimmen landete Panduleni Itula als stärkster Herausforderer auf Platz zwei. Der Zahnarzt trat als unabhängiger Kandidat an, ist aber auch Mitglied der SWAPO. Es sei ein "harter Wettbewerb" gewesen, sagte Geingob, doch "Demokratie war der größte Gewinner".

Geingobs Wahlsieg kam nicht überraschend. Die ehemalige Befreiungsorganisation SWAPO ist seit Namibias Unabhängigkeit 1990 an der Macht. Die Organisation kämpfte damals noch gegen koloniale Apartheid-Regierungen in Südafrika, Botswana, Angola und Namibia.

Der 78-Jährige hat allerdings im Vergleich zu seinem Wahlsieg 2014 deutlich an Beliebtheit verloren. Vor fünf Jahren war Geingob noch mit 87 Prozent zum Präsidenten gewählt worden. Auch im Parlament wurde die SWAPO abgestraft: Dort gewann die Partei nach Angaben der Wahlkommission zwar mit 63 Sitzen, erzielte aber zum ersten Mal seit Unabhängigkeit Namibias keine Zweidrittel-Mehrheit. Die stärkste Oppositionspartei Popular Democratic Movement (PDM) erhielt 16 Sitze.

Dürre und Korruption

Viele Wählerinnen und Wähler machen den Präsidenten und die SWAPO für anhaltende Probleme in dem Land an Afrikas Südwestküste verantwortlich. Trotz eines Reichtums an Bodenschätzen wie Uran und Diamanten und hohen Fischbeständen befindet sich Namibia seit vier Jahren in einer Wirtschaftsrezession. Die Arbeitslosenquote liegt bei 33 Prozent, bei den unter 35-Jährigen findet nur die Hälfte eine Anstellung.

Verstärkt wird die Rezession durch eine schwere Dürreperiode. Die Landwirtschaft ist der größte Arbeitgeber in Namibia. Mehr als ein Viertel der 2,5 Millionen Einwohner waren nach Auskunft der Premierministerin Saara Kuugongelwa-Amadhila im September auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, Zehntausende Nutztiere verendeten. Zum Popularitätsverlust von Gengob und der SWAPO hat womöglich auch ein Korruptionsskandal beigetragen, der im November bekannt wurde. Demnach waren Minister der SWAPO daran beteiligt, einer isländischen Firma gegen Bestechungsgeld Fischereirechte einzuräumen.

Eines der wichtigsten Vorhaben von Gengob ist die Landreform. In der ehemaligen deutschen Kolonie ist die soziale Ungleichheit besonders groß. Zwar ist das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 10.000 Euro pro Jahr im afrikanischen Vergleich recht hoch, doch gut ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Diese soziale Ungleichheit spiegelt sich auch in der Landfrage wieder: Etwa 70 Prozent des Farmlandes ist in Besitz weißer Landwirte, die Nachfahren deutscher Kolonialisten sind, während nur 16 Prozent in den Händen der schwarzen Bevölkerung ist.

Verhandlungen über das koloniale Erbe

Für Deutschland haben die Wahlen in Namibia eine besondere Bedeutung: Die Bundesregierung führt seit Jahren zähe Gespräche mit der namibischen Regierung über die Aufarbeitung der Verbrechen während der Kolonialzeit. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hatte jüngst gesagt, man habe das feste Ziel, diese Gespräche nach den Wahlen zu beenden.

Zwischen 1884 bis 1915 war Namibia als Deutsch-Südwestafrika eine deutsche Kolonie. Anfang 1900 verübte Deutschland unter der Leitung von Lothar von Trotha einen Genozid an den Volksgruppen der Herero und Nama. Zehntausende Angehörige der beiden Volksgruppen starben dabei oder wurden in Konzentrationslager verschleppt. Opferverbände beider Volksgruppen fordern die Bundesregierung dazu auf, den Völkermord offiziell anzuerkennen und sich zu entschuldigen. Zudem möchten sie an den Verhandlungen zur Aufarbeitung der Kolonialzeit mit beteiligt werden. Zwar spricht die deutsche Bundesregierung von einem "Genozid", doch lehnt sie es ab, den Völkermord in einer Resolution offiziell anzuerkennen. Vor einem Gericht in New York haben Vertreterinnen und Vertreter der Herero und Nama Deutschland zuletzt auf Reparationsforderungen verklagt.