Vor ihrem Jubiläumsgipfel in der kommenden Woche hat die Nato US-Präsident Donald Trump einmal mehr höhere Verteidigungsausgaben der Verbündeten präsentiert. Nach Angaben von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wird sich die Summe der Mehrausgaben der europäischen Nato-Staaten und Kanadas von Anfang 2016 bis Ende 2020 auf 130 Milliarden US-Dollar (118 Milliarden Euro) belaufen. Bis Ende 2024 sollen es rund 400 Milliarden Dollar sein.

Mit den neuen Zahlen hofft die Nato, beim Jubiläumsgipfel weiteren Streit verhindern zu können. US-Präsident Trump beklagt seit Langem eine unfaire Lastenteilung in dem Militärbündnis und attackiert vor allem Deutschland wegen des vergleichsweise niedrigen Anteils seiner Verteidigungsausgaben am Bundeshaushalt. Bei einem Nato-Gipfel im Sommer 2018 hatte Trump sogar einen Austritt der USA nicht ausgeschlossen, sollten nicht alle Bündnispartner sofort zwei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung ausgeben. Dieses Ziel hatten die Nato-Partner gemeinsam vereinbart.

Bevor die Nato ihre Zahlen um 30 Milliarden nach oben korrigierte, war von mehr als 100 Milliarden Dollar bis Ende 2020 die Rede gewesen. Nach den aktuellen Schätzungen werden die Verteidigungsausgaben der europäischen Bündnispartner und Kanadas nun um 4,6 Prozent wachsen, wie Stoltenberg in Brüssel sagte. Einen großen Teil trägt Deutschland dazu bei.

Die Bundesregierung hatte der Nato zuletzt den größten Anstieg der Verteidigungsausgaben seit Jahrzehnten gemeldet. Sie rechnet demnach in diesem Jahr mit für das Bündnis relevanten Ausgaben in Höhe von 47,32 Milliarden Euro. Das entspricht einer Zunahme um mehr als fünf Milliarden Euro im Vergleich zu 2018 (plus 12,9 Prozent) und dürfte einem Anteil am BIP von 1,39 Prozent entsprechen. Einen solchen Anstieg hat es zumindest seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gegeben. 2018 lag die BIP-Quote nach jüngsten Zahlen lediglich bei 1,24 Prozent.

Zu dem zweitägigen Nato-Gipfel werden am Dienstag und Mittwoch alle 29 Staats- und Regierungschefs der Bündnisstaaten in London erwartet. Bei dem Treffen soll eigentlich das 70-jährige Bestehen des Militärbündnisses gefeiert werden. Der Gipfel wird allerdings von Ärger über Äußerungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron überschattet. Dieser hatte das Bündnis jüngst als hirntot bezeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel will Macron am Dienstag zusammen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem britischen Premier Boris Johnson treffen, um über die Lage in Syrien zu beraten. Am Mittwoch will sie am Rande des Gipfels mit Trump allein sprechen.