Nach der Neuwahl in Spanien zeichnet sich weiter kein Ausweg aus der politischen Krise ab. Die Sozialisten von Ministerpräsident Pedro Sánchez wurden am Sonntag zwar erneut stärkste Kraft, haben aber nach wie vor keine ausreichende Mehrheit. Die rechtsextreme Partei Vox konnte ihr bisheriges Ergebnis mehr als verdoppeln.

Die vorgezogene Neuwahl war nötig geworden, nachdem es Sánchez nach seinem Wahlsieg im April nicht gelungen war, eine stabile Regierung zu bilden. Laut dem in der Nacht veröffentlichten vorläufigen Endergebnis erhielt die sozialistische PSOE 28 Prozent der Stimmen, die konservative PP konnte ihr Ergebnis verbessern und landete mit knapp 21 Prozent auf dem zweiten Platz.

Den größten Zugewinn verbuchen die Rechtspopulisten von Vox, die 15 Prozent der Stimmen erhielten. Die Partei wird mit voraussichtlich 52 Sitzen drittstärkste Kraft. Vox war im April erstmals ins Parlament eingezogen. Eine Niederlage musste das Linksbündnis Unidas Podemos hinnehmen, das von 14,3 auf 10 Prozent abrutschte. Ein Fiasko erlebten die liberalen Ciudadanos mit 6,3 Prozent, die fast zehn Prozentpunkte einbüßten.

Damit ist eine Regierungsbildung so gut wie unmöglich. Nur eine große Koalition von PSOE und PP käme auf eine absolute Mehrheit von mindestens 176 Sitzen. Das hatten beide Fraktionen aber schon vor der Wahl ausgeschlossen. Die einzige Möglichkeit für Sánchez, die Blockade zu lösen, wäre eine Minderheitsregierung unter seiner Führung. Das müssten aber die anderen Parteien dulden, was als unwahrscheinlich gilt.

Es war bereits die vierte Parlamentswahl seit Ende 2015. Die ständigen Neuwahlen tragen zur Politikverdrossenheit bei. Die Wahlbeteiligung lag bis 18 Uhr nur bei 57 Prozent. Bei der Wahl im April hatten zur selben Zeit noch knapp 61 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt.