Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat vor der extremen Rechten im Land gewarnt. Spanien müsse sich "einigen ernsthaften Bedrohungen" und "dem Gespenst des Franquismus" stellen. Das sagte er am Freitag im Radiosender Cedena Ser und damit zwei Tage vor der Parlamentswahl. Er warnte vor der Wahl von Vox und der "aggressiven Politik der extremen Rechten". Der Vox-Partei wird vorgeworfen, an das Erbe des spanischen Diktators Francisco Franco anzuknüpfen.

Zuvor hatte der spanische Ministerpräsident von der Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) bereits eine Zusammenarbeit mit Vox ausgeschlossen. Mit der Partei wolle er nicht sprechen. Es handele sich um eine "ultrarechte Partei", die zum Beispiel Homosexuelle als Kranke bezeichne und Medien schließen wolle.

Die letzte Parlamentswahl im April hatte mit einem Patt geendet, weshalb nun erneut gewählt wird. Damals kam Vox auf 24 Sitze. Während der Katalonien-Krise hatte die Vox-Partei zuletzt in den Umfragen deutlich zugelegt. Laut einiger Befragungen könnte die Partei ihr Ergebnis sogar beinahe verdoppeln.

Die Parlamentswahl am Sonntag ist die vierte binnen vier Jahren. Laut Umfragen ist der Sieg der sozialistischen Partei von Sánchez sicher. 117 der 350 Parlamentssitze könnten einer Auswertung mehrerer Umfragen durch El Pais zufolge auf Sánchez' Sozialisten entfallen. Doch weder das linke noch das rechte Lager würden den Erhebungen zufolge eine absolute Mehrheit erreichen: Die konservative Volkspartei (PP) käme auf 92 Mandate, die rechtsextreme Partei Vox auf 46.

Sánchez rief seine politischen Rivalen zur Duldung einer sozialistischen Minderheitsregierung auf. Er wolle der PP, dem Linksbündnis Unidas Podemos (UP) und den liberalen Ciudadanos "innerhalb von 48 Stunden" nach der Wahl einen Vorschlag zur "Beendigung der Blockade" vorlegen.

Ende September hatte König Felipe VI. eine weitere Neuwahl ausrufen müssen, weil die Frist zur Bildung einer neuen Regierung auch nach monatelangen Verhandlungen ohne Einigung abgelaufen war. In Spanien hat es nach dem Tod von Diktator Franco 1975 vor allem wegen des faktischen Zweiparteiensystems aus PP und PSOE, das 40 Jahre lang bestanden hat, nie eine Regierungskoalition gegeben.