Irak - Polizei erschießt mehrere Demonstranten Irakische Polizisten haben vor dem iranischen Konsulat in Kerbala drei Menschen erschossen. Auch in Bagdad kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. © Foto: Thaier Al-Sudani/​Reuters

Bei den Protesten im Irak haben die Sicherheitskräfte nach Angaben von Augenzeugen erstmals mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen. Wie Anwesende berichteten, sollen Schüsse in der Umgebung des Sitzes des Staatsfernsehens in Bagdad gefallen sein.

Vor dem iranischen Konsulat in Kerbala hatten Sicherheitskräfte in der Nacht zum Montag drei Demonstranten erschossen. Die Ausschreitungen ereigneten sich nach Angaben des Irakischen Hochkommissariats für Menschenrechte  als Demonstranten versuchten, das iranische Konsulat zu stürmen. Zwölf weitere Personen seien dabei verletzt worden, teilte die vom Parlament eingesetzte Menschenrechtskommission am Montag mit.

Bislang waren die Sicherheitskräfte im Land vor allem mit Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen. Zuletzt wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen und von Rettungskräften mehrere Demonstranten durch neuartige Tränengasgranaten getötet. Diese seien deutlich gefährlicher als herkömmliche Tränengas-Granaten und können nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International Schädel durchschlagen.

Die Proteste gegen die irakische Regierung hatten im Oktober begonnen. Die Demonstranten beklagen die hohe Arbeitslosigkeit, Misswirtschaft und Korruption im Land. Die Menschen protestieren vor allem im Südirak nicht nur für mehr Jobs, sondern auch gegen Stromausfälle und schlechte Trinkwasserqualität.

Mehr als 260 Demonstranten starben seit Beginn der Proteste. Mehr als 11.000 wurden verletzt. Die Wut der Demonstranten im Irak, die mittlerweile einen "Sturz des Regimes" fordern, richtet sich seit Tagen auch gegen den benachbarten Iran. Die Demonstranten werfen dem Iran unter anderem vor, für das korrupte System im Irak mitverantwortlich zu sein. Während sich die US-Regierung mit Äußerungen zur Krise in dem Land bisher zurückhielt, reiste der iranische General Ghassem Suleimani im vergangenen Monat mehrfach in den Irak.

Wut richtet sich auch gegen den Iran

Suleimani ist der Kommandeur der Elitetruppe für Auslandseinsätze der Revolutionsgarden. Er spielte in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle bei der Koordination des Kampfes gegen Gegner der Regierung von Staatschef Baschar al-Assad in Syrien. Im Iran gilt der General als Kriegsheld.

Die von Studenten und Gewerkschaften organisierte Protestbewegung wendet sich mittlerweile gegen die gesamte politische und religiöse Führung des Landes. Regierungschef Adel Abdel Mahdi rief die Bevölkerung am Sonntagabend auf "zum normalen Leben zurückzukehren". "Zahlreiche Forderungen" der Protestbewegung seien bereits erfüllt worden.

Die bisherigen Zusagen zu vorgezogenen Neuwahlen und Reformen beschwichtigten die Demonstranten bisher jedoch nicht. In zahlreichen Städten des Landes gab es weiter Protestaktionen. Im südlichen Amara blockierten Demonstranten den Zugang zu zwei Ölfeldern, in der südlichen Stadt Umm Kasr den Weg zum Hafen. Dutzende Schiffe konnten dort nach Angaben aus Behördenkreisen nicht entladen werden.