Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, wird doch nicht Staatssekretär im Landesinnenministerium von Sachsen-Anhalt. Dies teilte der Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) mit. "Nach Erörterung der politischen Lage hat Herr Wendt mir gegenüber erklärt, dass er auf seine Berufung verzichtet", sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Er habe vertraulich mit Wendt telefoniert.

Der 62-jährige Polizeigewerkschaftler bestätigte die Entscheidung, stellte die Entscheidungsfindung aber anders dar. So habe er nicht abgelehnt, sondern die CDU ihr Angebot wieder zurückgezogen. "Ich hätte die Aufgabe gerne übernommen, sie ist von der Landesregierung an mich herangetragen worden", sagte Wendt, der selbst CDU-Mitglied ist, der Bild-Zeitung. Seine Partei sei vor ihren Koalitionspartnern von SPD und den Grünen "eingeknickt" und hätte "kapituliert". Das Kommando dazu sei aus dem Kanzleramt gekommen, so der Polizeigewerkschaftler.

Am vergangenen Freitag hatten Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Stahlknecht in einer Pressemitteilung die Personalie verkündet. Am Wochenende dann hatten SPD und Grüne unabhängig voneinander mitgeteilt, dass sie Wendt für ungeeignet hielten und die Personalentscheidung nicht mittragen wollten.

Wendt hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Äußerungen über angeblich ausufernde Kriminalität und mit islamophoben und rassistischen Positionen polarisiert. In einem 2016 veröffentlichten Buch Deutschland in Gefahr: Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt kritisiert er die deutsche Rechtsprechung sowie die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Dem rechtpopulistischen und verschwörungstheoretischen Magazin Compact sagte er 2016, die Diskriminierung von Frauen gehöre "fast zu den genetischen Grundbausteinen" der "Machokultur junger Muslime".

Zudem stand er für eine Doppelbesoldung in der Kritik. 2017 war bekannt geworden, dass er über mehrere Jahre ein Teilzeitgehalt als Polizist bezog, obwohl er hauptamtlich als Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft tätig war. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf stellte später das Ermittlungsverfahren wegen Untreueverdachts ein, weil sie keine Anhaltspunkte für ein bewusst pflichtwidriges Handeln sah. Darüber hinaus hatte er seine Einkünfte als Aufsichtsrat bei einer Versicherung nicht angegeben.