In Rumänien hat Amtsinhaber Klaus Johannis (parteilos) die Präsidentenwahl mit klarem Vorsprung gewonnen. Prognosen zufolge kam der 60-jährige auf 39 Prozent der Stimmen. Jedoch erreichte Johannis, der von der Nationalliberalen Partei (PNL) unterstützt wird, nicht die notwendige absolute Mehrheit. In zwei Wochen muss Johannis daher gegen die Zweitplatzierte Viorica Dăncilă von der sozialdemokratischen PSD in einer Stichwahl antreten. 

Das Wahlergebnis ist noch nicht offiziell. Mit einem eindeutigen Ergebnis wird erst am Montag gerechnet.

Johannis gilt in Osteuropa als Gegenpart zu den antieuropäischen Regierungen von Ministerpräsident Viktor Orbán in Ungarn und der rechtsnationalistischen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) in Polen. Seinen Unterstützern versprach Johannis, die Korruption zu bekämpfen, die Infrastruktur zu verbessern, EU-Gelder besser abzurufen und die öffentlichen Dienstleistungen wie das Gesundheits- und das Bildungswesen zu reformieren.

Sozialdemokratische Kandidatin von der PSD deutlich unterlegen

Johannis bezeichnete die Prognosen als ein eindeutiges Votum gegen Dăncilă und die PSD. Im Wahlkampf hatte der Staatspräsident die sozialdemokratische Partei als "Bedrohung der Demokratie" bezeichnet. Dăncilă erhielt laut Hochrechnungen 22,5 Prozent der Stimmen.

Die PSD-Politikerin war bis vor wenigen Wochen noch Ministerpräsidenten. Die Sozialdemokratin wurde wegen Korruptionsvorwürfen in einem Misstrauensvotum am 10. Oktober durch das Parlament gestürzt. Dăncilă vertritt eine von der EU und Johannis heftig kritisierte Justizpolitik, die mutmaßlich korruptionsverdächtige Politikerinnen und Politiker begünstigte. Neuer rumänischer Ministerpräsident wurde Ludovi Orban, der Vorsitzende der PNL.

Rekordwahlbeteiligung bei Rumäninnen und Rumänen im Ausland

Eine Stunde vor Schließung der Wahllokale lag die Wahlbeteiligung bei 46,8 Prozent und damit niedriger als bei der letzten Präsidentenwahl. Johannis könnte davon profitieren, dass mehr Rumäninnen und Rumänen in Städten als in ländlichen Gebieten ihre Stimme abgaben. In Rumänien wählen Städter eher bürgerlich-liberal. Auf dem Land ist traditionell die PSD von Dăncilă stark.

Eine Rekordwahlbeteiligung zeichnete sich bei den im Ausland lebenden Rumäninnen und Rumänen ab. Knapp 700.000 gaben ihre Stimme ab. Bei dieser Wahl war erstmals Briefwahl aus dem Ausland möglich. Bei früheren Wahlen war es in Konsulaten zu Tumulten gekommen, weil der Andrang so groß war.