Szenen wie aus dem Kalten Krieg: Bei einem großangelegten Agentenaustausch haben Russland und Litauen fünf verurteilte Spione aus drei Ländern freigelassen. Das baltische EU-Land Litauen setzte am Freitag zwei russische Spione auf freien Fuß. Im Gegenzug übergab Russland zwei Litauer und den Norweger Frode Berg.

Die beiden Litauer sind jetzt wieder in ihrer Heimat, wie die Präsidialkanzlei in Vilnius mitteilte. Demnach erfolgte die Übergabe der verurteilten Agenten an einem Grenzübergang. Auch der Norweger Berg sei zurückgebracht und der norwegischen Botschaft in Litauen übergeben worden. Im Gegenzug seien die beiden Russen freigelassen worden. "Wir sind glücklich, dass Frode Berg wieder nach Hause kommt – als freier Mann", sagte die norwegische Premierministerin Erna Solberg am Freitag. Sie dankte den litauischen Behörden für die Bemühungen um die Freilassung.

Die zwei wegen Spionage verurteilten Russen Nikolai Filiptschenko und Sergej Moissejenko waren begnadigt worden. Sie waren 2017 verurteilt worden und sollten jeweils eine zehnjährige Haftstrafe in Litauen verbüßen.

Der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergej Naryschkin, hatte am Freitag angekündigt, dass es nach dem Signal aus Litauen "gleichwertige Maßnahmen" auf russischer Seite geben solle. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte bereits bei einem Besuch in Norwegen unlängst erklärt, dass er mit einer baldigen Heimkehr Bergs rechne.

Der norwegische Rentner und ehemalige Grenzbeamte Frode Berg war im Dezember 2017 von einem russischen Sicherheitsdienst in Moskau festgenommen worden. Im April dieses Jahres wurde er wegen Spionage zu 14 Jahren Haft verurteilt. Er soll Material über russische Atom-U-Boote gesammelt haben.

Russland stehe zur Praxis des Agentenaustauschs, wenn die wegen Spionage Verurteilten keine schweren Verbrechen begangen hätten, sagte der frühere Geheimdienstler Wladimir Dschabarow der Agentur Interfax. Der Senator im russischen Föderationsrat sagte, es sei weltweit üblich, "Geheimdienstlern zu helfen, die in schwierige Situationen geraten sind".