In Chile haben sich die Regierung und die Opposition auf den Weg zu einer neuen Verfassung geeinigt. Die Präsidenten der verschiedenen Parteien unterzeichneten am frühen Morgen ein entsprechendes Abkommen. Damit geht die chilenische Regierung auf eine der Forderungen der Protestbewegung ein, die seit einigen Wochen in dem südamerikanischen Land auf die Straße geht.

In einer Volksabstimmung im April kommenden Jahres sollen die Chileninnen und Chilenen darüber abstimmen, ob sie eine neue Verfassung wollen. Dies teilten die Vertreter der konservativen Regierungskoalition und der Opposition in der Hauptstadt Santiago de Chile mit. Wenn der neue Text ausgearbeitet ist, sollen die Bürger in einem weiteren Referendum darüber abstimmen.

"Wir wollen einen friedlichen und konstruktiven Weg aus der Krise", sagte Senatspräsident Jaime Quintana. "Wir werden erstmals eine 100-prozentig demokratische Verfassung haben."

Chiles Verfassung von 1980 stammt noch aus Zeiten der Diktatur von General Augusto Pinochet. Trotz mehrfacher Reformen gibt es nach wie vor Kritik an ihrem autoritären Ursprung, der starken Bündelung von Machtbefugnissen bei der Zentralregierung und begrenzten Einflussmöglichkeiten der Bürger. In einer Umfrage hatten sich zuletzt 78 Prozent der Chilenen für eine neue Verfassung ausgesprochen.

Chiles Währung hat etwa acht Prozent an Wert verloren

Seit Wochen kommt es in Chile wiederholt zu Protesten und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Dabei kamen rund 20 Menschen ums Leben, über 2.000 Menschen wurden verletzt, zahlreiche Geschäfte wurden geplündert und mehrere Gebäude in Brand gesteckt. Zudem hatten die Demonstrationen negative Auswirkungen auf die chilenische Wirtschaft, sodass die Regierung ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 2,6 auf 2,0 senkte.

Der Peso sank am Donnerstag im Handel mit dem US-Dollar auf ein Rekordtief. Zeitweise wurden für einen Dollar mehr als 808 Peso gezahlt – so viel wie nie zuvor. Auch vier Milliarden Dollar Liquidität der Notenbank halfen der chilenischen Wirtschaft vorerst nicht. Seit Beginn des Monats hat Chiles Währung etwa acht Prozent an Wert verloren.

Ausgang der Proteste war die Erhöhung der Metropreise. Bald forderten die Demonstrierenden zudem die Abkehr vom neoliberalen Wirtschaftsmodell, Reformen in Bildung, Gesundheit und Rente und eine neue der Verfassung. Als reichstes Land in der Unruheregion Südamerika war Chile lange für seine Stabilität bekannt. Allerdings gibt es auch in Chile hohe Einkommensunterschiede und Bildung und Gesundheitsversorgung sind sehr teuer.