Es ist schon fast eine Tradition der Ära Trump: Vor seinem Abflug mit dem Marine-One-Helikopter steht der Präsident den Reportern auf dem Rasen vor dem Weißen Haus kurz Rede und Antwort. Meistens erleben die Journalisten allerdings keine klassischen Pressestatements, sondern spontane Wutausbrüche, in denen Donald Trump seinen aktuellen Hauptgegner beschimpft. Und als Hauptgegner hat der Präsident derzeit den Whistleblower ausgemacht, der mit seinem regierungsinternen Bericht über das kontroverse Telefonat zwischen Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj die Impeachment-Ermittlungen gegen den US-Präsidenten ausgelöst hatte.

Diese Person sei eine "Schande für unser Land" rief Trump also am Freitag auf dem Rasen vor dem Weißen Haus, bevor er nach Georgia aufbrach. Die Identität des Tippgebers solle enthüllt und dessen Anwalt wegen Landesverrats angeklagt werden, so der Präsident, der schon seit Wochen fordert, seinen "Ankläger" zu treffen.

Seit Wochen verbreiten zahlreiche rechte Medien den Namen eines Mannes, der angeblich der anonyme Tippgeber sein soll. Zu den Medien, die den Namen nennen, gehören die konservative Wochenzeitung Washington Examiner sowie das rechtsgerichtete Onlinemedium Breitbart. Sogar Trumps Sohn Donald Junior teilte Tweets mit seinen rund vier Millionen Followern, die den Namen enthielten. Das dürfte auch der Präsident mitbekommen haben. Doch wie gelangte der Name dieses Mannes an die Öffentlichkeit? Und ist er wirklich der Informant?

"Hörensagen aus dritter Hand"

Am 26. September, dem Tag, an dem das Weiße Haus das Transkript des entscheidenden Telefonats veröffentlicht hatte, konnte man in der New York Times einige Details zur Identität des Tippgebers lesen. Demnach handelt es sich um einen CIA-Mitarbeiter, der zeitweise im Weißen Haus gearbeitet habe. Die New York Times begründete diese Berichterstattung später damit, dass sie der Leserschaft mit den Informationen helfen wolle, die Glaubwürdigkeit des Whistleblowers zu beurteilen.

Seit Anfang Oktober kursierte vor allem ein Name auf Twitter. Nach Informationen der Washington Post hatte der umstrittene rechtsgerichtete Trump-Unterstützer Jack Posobiec diese Personalie in Umlauf gebracht. Posobiec ist in den USA mit der Verbreitung von Verschwörungstheorien über Hillary Clinton und die Demokraten bekannt geworden. Nun behauptete er, die Identität des Whistleblowers aus den Informationen des New-York-Times-Artikels abgeleitet zu haben.

Laut Washington Post schaltete später ein Geschäftsmann aus North Carolina ein Werbevideo auf Facebook, das sechsstellige Zugriffszahlen erreichte. Auch darin wurde eben dieser Name genannt. So dürfte diese Person großen Teilen der Trump-Anhängerschaft bekannt geworden sein. 

Allerdings ist gar nicht sicher, ob es sich dabei tatsächlich um jenen Beamten handelt, der die öffentliche Aufarbeitung der Ukraine-Affäre ausgelöst hat. Die Anwälte des Whistleblowers bezeichnen die Berichte als Spekulation. "Das ist alles Hörensagen aus zweiter und dritter Hand", sagte beispielsweise Mark Zaid, der den anonymen Tippgeber juristisch vertritt.