Drei Worte wollte US-Präsident Donald Trump einem hochrangigen Mitarbeiter des Außenministeriums zufolge vom ukrainischen Präsidenten hören: "Ermittlungen", "Biden" und "Clinton". Das geht aus der Zeugenaussage von George Kent im Zuge der Ermittlungen zur Ukraine-Affäre hervor. Trump habe erreichen wollen, dass sein Amtskollege Wolodymyr Selenskyj ans Mikrofon tritt und diese Worte sagt, sagte Kent laut einer veröffentlichten Mitschrift

Der Versuch, politisch motivierte Ermittlungen zu initiieren, habe Kent alarmiert, berichtete die New York Times. Er beklagte sich demnach darüber, dass das Vorgehen, das vor allen Dingen von Trumps persönlichem Anwalt Rudolph Giuliani begangen wurde, schädlich für die Rechtsstaatlichkeit und Amerikas Außenpolitik sei. Seine Bedenken habe Kent im Sommer in einem Memo festgehalten, noch bevor die Ukraine-Affäre durch einen Whistleblower öffentlich wurde, heißt es weiter in dem Statement.

Die oppositionellen Demokraten im Repräsentantenhaus untersuchen Trumps Verhalten in der Ukraine-Affäre. Sie werfen ihm vor, die Macht seines Amts missbraucht zu haben, um die ukrainische Regierung dazu zu bringen, sich zu seinen Gunsten in den US-Wahlkampf einzumischen. Es geht darum, ob Trump die Ukraine beeinflusst hat, gegen seinen politischen Rivalen Joe Biden und dessen Sohn Hunter zu ermitteln, während die Vereinigten Staaten gleichzeitig Militärhilfe für Kiew zurückhielten. Das Annehmen oder Fordern von Wahlkampfhilfe ausländischer Regierungen ist in den USA verboten. Trump bestreitet jedes Fehlverhalten und hat die Glaubwürdigkeit von Aussagen in Zweifel gezogen, die ihn belasten.

Die Demokraten erwägen ein Amtsenthebungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs. In Vorbereitung auf öffentliche Anhörungen von Zeugen in diesem Zusammenhang in der kommenden Woche veröffentlichen die Ermittler des Repräsentantenhauses wichtige Mitschriften von Anhörungen hinter verschlossenen Türen. Kents Aussagen stützen sich auf Gespräche mit anderen innerhalb der Regierung, die in Kontakt mit dem US-Botschafter bei der Europäischen Union Gordon Sondland standen.

Das Stichwort "Clinton" beziehe sich auf die Wahl 2016, sagte Kent. Gemeint sei Trumps Ansicht, dass die Ukraine sich in die Wahl eingemischt habe. Diese Ansicht wird in Geheimdienstkreisen nicht vertreten. Die demokratische Kandidatin Hillary Clinton hatte bei der Wahl 2016 gegen Trump verloren.

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