Nach Kritik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an der Nato hat sich die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zum Status der Organisation geäußert. Dabei sprach sie sich für ein eigenverantwortliches Handeln der Nato-Mitliedsstaaten aus: "Die Nato war und ist immer das, was ihre Mitgliedstaaten aus ihr machen." Von der Leyen betonte, dass es an den 29 Mitgliedstaaten liege, "sich einzubringen und etwas zu ändern".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte der Nato in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview den "Hirntod" diagnostiziert. Es gebe "keinerlei Koordination bei strategischen Entscheidungen zwischen den USA und ihren Nato-Verbündeten", sagte er.

Von der Leyen sagte in ihrer Rede auf einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, die Nato habe sich "bei allen Holprigkeiten bis in die letzten Wochen hervorragend als Schutzschirm der Freiheit bewährt." Die Geschichte Europas könne ohne diese Organisation nicht erzählt werden.

"Europa muss auch die Sprache der Macht lernen"

Die zukünftige EU-Kommissionspräsidentin sprach sich zudem für einen stärkeren Führungsanspruch Europas in der Welt aus. "Europa muss auch die Sprache der Macht lernen", sagte sie laut Redemanuskript. Zum einen brauche die EU mehr militärische Fähigkeiten. Zum anderen müsse sie die vorhandene Kraft stärker nutzen, um europäische Interessen durchzusetzen.

Als Beispiel nannte von der Leyen den Umgang mit China. Die Volksrepublik sei sicher ein wichtiger Handelspartner für die Europäische Union. "Aber umgekehrt ist die EU der größte Handelspartner für China", hieß es weiter. Man wolle weiter gute Geschäfte machen und freue sich über ausländische Unternehmen, die an Ausschreibungen für den Bau von Autobahnen oder Stromtrassen teilnähmen. "Aber wir werden künftig stärker darauf achten, dass sich diese Unternehmen auch an unsere Standards halten, was beispielsweise Arbeitsbedingungen und Umweltschutzvorschriften angeht", kündigte von der Leyen an, die mit einer neuen Kommission am 1. Dezember ihr Amt antritt.