US-Präsident Donald Trump prüft offenbar die Einstufung mexikanischer Drogenkartelle als ausländische Terrororganisationen. Das berichtete der konservative Radiomoderator Bill O'Reilly unter Berufung auf ein Interview mit dem US-Präsidenten. Trump wolle die Kartelle auf jeden Fall als terroristische Organisationen einstufen lassen, wird Trump in dem auf O'Reillys Website veröffentlichten Interview zitiert. Die offizielle Einstufung durch die US-Regierung sei ein komplizierter Prozess, es gebe dabei aber gute Fortschritte. "Wir verlieren jedes Jahr 100.000 Menschen wegen dem, was in Mexiko passiert, und dem, was durch Mexiko kommt", sagte Trump demnach mit Blick auf die Zahl der Drogentoten in den USA.

Die Einstufung als global agierende Terrororganisation, die bislang beispielsweise dschihadistische Gruppen wie Al-Kaida oder die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) betrifft, könnte der US-Regierung zusätzliche Möglichkeiten bei der Bekämpfung der Gruppen eröffnen. So wäre es nach US-Recht dann möglich, direkte Maßnahmen in Mexiko zu ergreifen.

Die mexikanische Regierung hat das Vorhaben der US-Regierung zurückgewiesen. Mexikos Außenministerium teilte in einer Stellungnahme mit, man strebe sobald wie möglich ein hochrangiges Treffen mit den USA an. Dabei gehe es darum, den Inhalt und die Bedeutung von Trumps Ankündigung zu verstehen. Außenminister Marcelo Ebrard hatte die Einstufung der Kartelle als Terrorgruppen bereits am Montag abgelehnt. "Das kann Mexiko natürlich niemals akzeptieren", hieß es.

2018 mehr als 36.000 Morde in Mexiko

Die geplante Maßnahme der US-Regierung könnte auch im Zusammenhang mit der Tötung einer mormonischen Großfamilie US-amerikanischer Herkunft stehen. Anfang November sind auf einer Landstraße im Norden Mexikos sechs Kinder im Alter zwischen acht Monaten und elf Jahren sowie drei Frauen erschossen und weitere Kinder verletzt worden. Die Betroffenen hatten die mexikanische sowie die US-amerikanische Staatsangehörigkeit.

Die Behörden vermuten, dass die Familien irrtümlich im Konflikt zwischen zwei Drogenbanden getötet wurden. Die beiden Familien der Todesopfer gehen hingegen davon aus, dass ihre Angehörigen gezielt ermordet wurden. Unmittelbar nach dem Angriff hatte Trump zum Krieg gegen die Drogenkartelle in Mexiko aufgerufen.

Der mexikanische Außenminister Ebrard sprach unterdessen von "bedeutenden Fortschritten" bei den Ermittlungen. Diese würden allerdings in Absprache mit den USA nicht preisgegeben, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Er führte dies auch als gutes Beispiel der Kooperation zwischen den beiden Ländern an.

Immer wieder kommt es in Mexiko zu Gewalt- und Racheakten unter Mitgliedern rivalisierender Drogenhändlerringe. Verbrechersyndikate führen einen Krieg um Einflussgebiete und Geschäftsfelder. Neben dem finanziell lukrativen Drogenhandel sind sie unter anderem auch in Menschenhandel, illegalen Bergbau, Benzindiebstahl und Schutzgelderpressung verwickelt. Mexiko hat eine der höchsten Mordraten der Welt: Im vergangenen Jahr wurden in dem Land mit etwa 130 Millionen Einwohnern mehr als 36.000 Morde registriert – also durchschnittlich fast 100 pro Tag.