Wer die Präsidentschaftskampagne des demokratischen Bewerbers Joe Biden bislang verfolgt hat, konnte nicht unbedingt den Eindruck einer Graswurzelbewegung bekommen. Während Bernie Sanders und Elizabeth Warren – Bidens Hauptkonkurrenten um die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten – zum Teil Zehntausende bei ihren Wahlkampfveranstaltungen versammeln, fand man Biden auffällig häufig auf Privatveranstaltungen betuchter Spender. Bis zu 2.800 Dollar kostet so ein Abend mit dem früheren Vizepräsidenten. Reporterinnen und Reporter vor Ort berichten von Luxuswohnungen mit Blick auf den Central Park in Manhattan oder von großen Villen mit Pool, von Steinböden und Elefantenstatuen auf blank polierten Steinway-Flügeln.

Die übrigen demokratischen Bewerber versuchen, von dieser klassischen Art der Spendenakquise loszukommen. Exklusive Empfänge und die Nähe zu Großspendern der Wall Street sind in Verruf. Den Vorwurf, sich für den Meistbietenden verkauft zu haben, will sich kein Kandidat und keine Kandidatin anhören müssen. Außerdem sind solche Veranstaltungen bislang auch wohl nicht sonderlich ergiebig. So sieht es für Biden finanziell derzeit schlecht aus. Nur 15,2 Millionen Dollar hat er im vergangenen Quartal eingenommen, weit weniger als seine parteiinternen Konkurrenten. Senatorin Warren aus Massachusetts konnte 24,6 Millionen Dollar verbuchen, der sozialistische Senator Sanders 25,3 Millionen.

Vermutlich ist dieser Rückstand der Grund dafür, dass Biden nun nach Möglichkeiten sucht, um an mehr Geld von reichen Spendern zu gelangen. Und offenbar ist er fündig geworden: Einer seiner Unterstützer gab am vergangenen Dienstag die Gründung des Sammelfonds Unite the Country bekannt. Mit diesem sogenannten Super PAC können die Anhänger des 76-Jährigen nun unbegrenzt Geld spenden, um ihren Kandidaten zu unterstützen. Die einzige Bedingung: Der Super PAC darf sich nicht mit Biden und seinem Team absprechen und das Geld nicht direkt seiner Kampagne geben. Es darf aber eingesetzt werden, um Werbung für den Kandidaten zu machen.

Der Fluch des großen Geldes

Super PACs gelten im System der US-Wahlkampffinanzierung als Synonym für die Einflussnahme reicher Großspender auf die Politik. Während Privatspender nur maximal 2.800 Dollar an Kandidaten für die Präsidentschaft spenden dürfen, haben Super PACs kein Limit. 2010 erlaubte der Oberste Gerichtshof unbegrenzte Spenden an diese Political Action Committees, solange sie unabhängig von den Wahlkampagnen operieren, die sie unterstützen wollen. Daraufhin formierten sich in fast allen großen Kampagnen entsprechende Wahlkampfkomitees mit Budgets, die teilweise im dreistelligen Millionenbereich lagen.  

Hillary Clinton sammelte im vergangenen Wahlkampf 2016 mit dem Super PAC Priorities USA Action knapp 192 Millionen Dollar ein – zu erheblichen Teilen von reichen Investoren wie George Soros, James Simons und Donald Sussman. Doch seit dem Aufstieg der Super PACs wird der Einfluss reicher Geldgeber immer kontroverser diskutiert.

Bernie Sanders hatte während seiner Präsidentschaftskampange 2016 auf Super PACs verzichtet. Der Senator aus Vermont kritisierte Clintons Nähe zur Wall Street lautstark und forderte die Aufspaltung der Banken, die der ehemaligen Außenministerin regelmäßig sechsstellige Beträge für Privatauftritte zahlten.

Sanders und Warren lehnen Super PACs ab

Auch in seiner derzeitigen Präsidentschaftskampagne verzichtet Sanders auf ein Super PAC, und er veranstaltet auch keine Spendendinner. Das Gleiche gilt für Elizabeth Warren, die allerdings Gelder von privaten Spendenveranstaltungen aus ihrem letzten Senatswahlkampf in Massachusetts für ihre Kampagne verwendet. Das Signal an die Wähler soll sein: Wir sind für euch da und nicht für die "Milliardäre" (Sanders) und die "Leute, die gut dotierte Checks schreiben können" (Warren). Beide setzten stark auf die Graswurzel-Mobilisierung und auf Kleinspender.

Vor allem Sanders ist damit sehr erfolgreich: 1,4 Millionen Einzelspenden hat der Senator aus Vermont im dritten Quartal verzeichnet, knapp eineinhalb mal so viele wie Warren. Im August wollte die New York Times eine Spenderkarte visualisieren, auf der erkennbar ist, in welchen Regionen der USA der jeweilige Kandidat die meisten Geldgeber hat. Weil Sanders fast überall führte, veröffentlichte die Zeitung eine zweite Karte mit den Spendern aller anderen Kandidaten.

Allerdings spendeten Sanders’ Wähler im Durchschnitt jeweils nur etwa 18 Dollar. Sie sind zu erheblichen Teilen in einfachen Service-Jobs tätig. Warrens Wähler sind reicher, besser gebildet und häufiger weiß als Sanders’ Wähler, die Spenden an ihre Kampagne betrugen im Durchschnitt 26 Dollar.

Joe Biden hat nicht bekannt gegeben, wie viele Bürger ihm Geld überwiesen.