Die Demonstrierenden in Hongkong haben der Stadtregierung ein Ultimatum gestellt. Sie solle sich dazu verpflichten, an den für 24. November geplanten Bezirksratswahlen festzuhalten, forderte ein vermummter Aktivist vor versammelter Presse. Als Geste des guten Willens räumten die Aktivisten am selben Tag eine Spur der sogenannten Tolo-Autobahn, die sie blockiert halten. Die Fahrbahn werde aber erneut gesperrt, komme die Hongkonger Regierung ihrer Forderung binnen 24 Stunden nicht nach. Zudem drohten dann weitere Konsequenzen.

Die Bezirksratswahlen gelten als öffentlicher Stimmungstest in der halbautonomen Sonderverwaltungszone. Aktivistinnen und Aktivisten befürchten, dass die Regierung Hongkongs die eskalierende Gewalt bei den anhaltenden Protesten als Vorwand für eine Absage der Wahl nutzen könnte.

Seit mehr als fünf Monaten halten die regierungskritischen Proteste in Hongkong an. Entzündet an einem mittlerweile für "tot" erklärten Gesetzentwurf fordern die Protestierenden Unabhängigkeit von der Pekinger Regierung und freie Wahlen. Außerdem wollen sie eine unabhängige Untersuchung zu Vorwürfen der Polizeigewalt sowie Straffreiheit für die bereits weit mehr als 4.000 Festgenommenen. Zu ihren Forderungen gehört auch der Rücktritt der pekingnahen Regierungschefin Carrie Lam.

Zuletzt war es wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstrierenden gekommen. Letztere haben gemeinsam mit Studierenden die Campus von Universitäten besetzt, Barrikaden errichtet und Benzinbomben sowie andere Waffen gehortet.

70-Jähriger ist gestorben

Nachdem ein Polizist am Montag einem jungen Demonstranten in den Bauch geschossen hat, gab es am Rande der Proteste ein weiteres Todesopfer. Wie die Behörden mitteilten, erlag ein 70-jähriger Mann, der bei einer Auseinandersetzung zwischen Aktivisten und Anwohnern von einem Pflasterstein getroffen wurde, seiner schweren Verletzung. Lokalen Medien zufolge hatte der Mann mit anderen versucht, von Demonstranten zur Blockade ausgelegte Steine von der Straße zu räumen. In anderen Berichten hieß es, er habe auch Videos und Fotos gemacht.

Die Polizei stuft die Tat als Mord ein und werde laut Regierungsangaben alle Anstrengungen unternehmen, um den Fall zu untersuchen und die Straftäter vor Gericht zu bringen. Die Regierung ließ mitteilen, man sei empört über "die böswillige Tat".

Es werde vermutet, dass der Mann während seiner Mittagspause durch einen "harten Gegenstand" starb, der von "Randalierern" geschleudert wurde, hieß es in einer Mitteilung der Hongkonger Behörde für Lebensmittel- und Umwelthygiene, für die das Opfer als Reinigungskraft gearbeitet hatte.

Vergangene Woche war ein 22-jähriger Student am Rande einer Demonstration in einem Parkhaus ein Stockwert tief gestürzt und kurz darauf verstorben. Die Umstände des Sturzes sind unklar. Demonstrierende machen aber die Polizei verantwortlich.