Mehr als zwei Jahre nach dem Mord an der regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta ist Anklage gegen einen möglichen Hintermann erhoben worden. Dem Unternehmer Yorgen Fenech wurde am Samstag vor Gericht in Valletta unter anderem Mittäterschaft an dem Mord und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Fenech weist die Schuld von sich. Er war vor zehn Tagen festgenommen worden, als er angeblich mit einer Luxusjacht fliehen wollte.

Maltas Regierungschef Joseph Muscat kündigte derweil seinen Rücktritt an, der von vielen Menschen gefordert worden war. Muscat werde seine Ämter am 18. Januar niederlegen, sobald seine Partei einen neuen Vorsitzenden gewählt habe, hieß es aus Parteikreisen. Die Familie der Journalistin wirft Muscat seit Langem vor, die Auftraggeber des 2017 verübten Mordanschlags zu decken.

Muscat werde Vorstandswahlen seiner Partei für den 18. Januar verkünden, hieß es weiter, und formell zurücktreten, wenn der neue Parteichef gewählt sei. Nach dem maltesischen System ist der Chef der Regierungspartei zugleich automatisch Regierungschef. Noch am Dienstag hatte Muscat ausgeschlossen, seine Ämter niederzulegen. Demonstranten hatten in der vergangenen Woche den Rücktritt des Premierministers gefordert. Sie warfen der Führung ihres Landes Korruption vor und verlangten "Gerechtigkeit für Daphne Caruana Galizia".

Vor dem Hintergrund der Mordermittlungen war auch Stabschef Keith Schembri von seinem Posten zurückgetreten und vorübergehend festgenommen worden. Er und der frühere Energie- und Tourismusminister Konrad Mizzi waren von Caruana Galizia bezichtigt worden, Schmiergelder von Fenech angenommen zu haben. Alle beteuern ihre Unschuld.

Informationen gegen Straffreiheit

Die 53-jährige Journalistin war am 16. Oktober 2017 in ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Caruana Galizia hatte unter anderem über Korruption bei Regierung und Geschäftsmännern auf Malta recherchiert. Drei Männer wurden bisher festgenommen und angeklagt. Sie sollen den Sprengsatz gebaut und gezündet haben. Wer hinter ihnen steckte, ist unklar.

Fenech hatte angeboten, Informationen zu dem Mordfall zu liefern und im Gegenzug Straffreiheit gefordert. Dies war ihm verwehrt worden. Fenech ist Direktor eines Konsortiums, das 2013 von der Regierung den Auftrag erhalten hatte, ein Gaskraftwerk zu bauen. 2018 kam heraus, dass ihm auch eine Offshore-Gesellschaft namens 17 Black gehörte. Caruana Galizia hatte Monate vor ihrem Tod über 17 Black geschrieben.

Muscat regierte Malta seit 2013

Joseph Muscat hatte dem Inselstaat und seinen knapp 500.000 Einwohnern einen Wirtschaftsboom verschafft. Seine sozialdemokratische Partei Laburista hatte mit ihm an der Spitze keine Wahl verloren. Seit sechseinhalb Jahren ist Muscat Regierungschef, bei vorgezogenen Neuwahlen wurde er 2017 mit großer Mehrheit im Amt bestätigt, obwohl damals Korruptionsvorwürfe gegen ihn und seine Frau aufgekommen waren.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hatte zum zweiten Jahrestag des Mordes der Regierung und den Behörden Maltas skandalöse Verfehlungen vorgeworfen. Es sei schockierend, dass bis heute niemand für die Tat zur Rechenschaft gezogen worden sei, sagte Geschäftsführer Christian Mihr im Oktober. Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht das Land auf Platz 77 von 180 Staaten. In den vergangenen zwei Jahren ist Malta um 32 Plätze gefallen. In der EU stehen nur Ungarn und Bulgarien schlechter da.