Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat dem Verbündeten Russland vorgeworfen, gegen Serbien zu spionieren. Anlass ist ein anonym gepostetes Video, das zeigt, wie ein russischer Diplomat in Belgrad einem mutmaßlich serbischen Regierungsbeamten Geld in einem Plastikbeutel überreicht. Auch ist zu sehen, wie der Serbe das Geld in seinem Wagen auspackt und kurz durchzählt.

"Deshalb frage ich die russischen Freunde, fragte ich heute den (russischen) Botschafter (Alexander) Bozan-Chartschenko: Warum?", sagte Vučić am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz in Belgrad. "Ich kann in all dem keine Logik erblicken", sagte er nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates, den er wegen des Videos einberufen hatte.

Nach Angaben des serbischen Präsidenten handelt es sich bei dem russischen Diplomaten um den früheren Vizemilitärattaché an der Belgrader Botschaft, Georgi Kleban. Der Empfänger des Geldes sei ein pensionierter Oberstleutnant der serbischen Armee – von ihm nannte Vučić nur die Initialen. Der bulgarische Investigativjournalist Hristo Grosew hatte bereits am Mittwoch Kleban auf dem Video identifiziert und ihn dem russischen Militärgeheimdienst GRU zugeordnet. Der Vorfall soll sich im Dezember des Vorjahres ereignet haben. Kleban halte sich nicht mehr in Serbien auf.

Die Videoaufnahmen seien zwar nicht von serbischen Stellen aufgezeichnet worden, doch hätten diese davon gewusst, so der Präsident. Serbische Geheimdienste hätten Kenntnis von zehn Treffen Klebans mit drei serbischen Kontaktpersonen, bei denen es drei Geldübergaben gegeben habe. Insgesamt seien die Geheimdienste etlicher großer Staaten, aber auch die von Nachbarländern auf dem Territorium Serbiens äußerst aktiv.

Die Aktivitäten des russischen Diplomaten seien in diesem Zusammenhang zu betrachten, so Vučić. Er sei sich dennoch sicher, dass der russische Präsident Wladimir Putin über die Vorgänge um Kleban nicht informiert gewesen sei. Er werde Putin nie vergessen, was er auf der internationalen Bühne für Serbien getan habe.

Ausgezeichnete Beziehung zwischen Serbien und Russland

Dennoch verbarg der serbische Präsident während der Pressekonferenz seine Enttäuschung nicht. "Serbien ist das einzige Land, das keine Sanktionen gegen Russland verhängt hat, nie gegen Russland gestimmt hat, nie etwas getan hat, um die Freundschaft mit Russland zu trüben", sagte er sichtlich bewegt.

Die russische Regierung machte zuvor bereits Bemühungen, die Wogen zu glätten "Wir sind sicher, dass die Beziehung derart stabil und brüderlich sind, dass sie durch nichts erschüttert werden können", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Tass zufolge. "Wir haben keine Ahnung, worum es da geht bei dem Zwischenfall. Das muss erst noch geklärt werden."

Serbien unterhält an sich ausgezeichnete Beziehungen zu Russland. Die serbische Regierung erhielt Unterstützung von der Regierung in Moskau bei den Bemühungen, die internationale Anerkennung der früher serbischen Provinz Kosovo zu erschweren. So verhindert die östliche Vetomacht im UN-Sicherheitsrat, dass das fast ausschließlich von Albanern bewohnte Kosovo in die Vereinten Nationen (UN) aufgenommen werden kann. Deutschland hat das seit 2008 unabhängige Balkanland anerkannt.