Der Folter-Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen (UN) Nils Melzer hat die Haftbedingungen der US-Whistleblowerin Chelsea Manning bemängelt. Die Behandlung Mannings in Beugehaft erfülle "alle konstitutiven Elemente von Folter oder auf andere Weise grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestrafung", schrieb Melzer in einem Brief an die US-Regierung, über den zunächst der Deutschlandfunk berichtet hatte.

In dem Brief bittet der Sonderberichterstatter um weitere Informationen zu Mannings Unterbringung und äußert generelle Bedenken gegenüber der Beugehaft. Derartige Praktiken seien mit den internationalen Menschenrechtsverpflichtungen der USA unvereinbar, schrieb Melzer. Der Brief ist auf den 1. November datiert, wurde aber erst jetzt bekannt.

Die ehemalige WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning war 2010 festgenommen und im August 2013 wegen Spionage zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Durch einen Gnadenerlass des damaligen US-Präsidenten Barack Obama kam sie 2017 vorzeitig frei.

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hatte 2010 und 2011 Hunderttausende geheime US-Militärdokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie vertrauliche Diplomatendepeschen veröffentlicht. Quelle war die vor einer Geschlechtsangleichung damals noch als Soldat Bradley Manning lebende Manning, die das Material von Militärcomputern herunterlud und WikiLeaks zuspielte.

Anfang März 2019 wurde Manning in Beugehaft genommen, weil sie sich weigerte, vor der Grand Jury gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange auszusagen. Als die Sitzungsperiode des Gremiums im Mai auslief, wurde sie zunächst freigelassen. Eine Woche später wurde sie erneut festgenommen. Manning sitzt UN-Angaben zufolge in einem Gefängnis in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia ein.