Haben die prodemokratischen Parteien Hongkongs bei den jüngsten Bezirkswahlen wirklich einen sogenannten Erdrutschsieg errungen?

Ist Donald Trump tatsächlich dabei, seinen Handelskrieg mit China zu gewinnen?

Und machen sich Volkswagen, BASF und Siemens mit der brutalen Unterdrückung der Uiguren durch die Kommunistische Partei gemein, wenn sie dort Werke bauen?

Drei ganz verschiedene Fragen, zusammengehalten nur durch einen roten Faden, eine weitere Frage: Wie umgehen mit China? Ich will sie der Reihe nach beantworten.

Zunächst: Hongkong. Jawohl, die prodemokratischen Parteien haben in 17 von 18 Bezirksräten klar die Mehrheit gewonnen. Aber eine empfindliche Wahlniederlage des regierungstreuen Lagers, ein unüberhörbares Signal des Volkes? So kann man es nur interpretieren, wenn man das Ergebnis der Bezirksratswahlen – 81 Prozent der Sitze für die Prodemokraten, 15,6 Prozent für die Pro-Peking-Parteien – isoliert betrachtet und dabei unterschlägt, dass diese Sitzverteilung vor allem dem verzerrenden Mehrheitswahlrecht zu verdanken ist.

Fasst man jedoch die Stimmenverteilung ins Auge, so zeigt sich, dass auf die Prodemokraten zwar ansehnliche 57,10 Prozent entfielen, auf die Peking-Anhänger jedoch immerhin 42,06 Prozent. Eine riesige Abweichung von der üblichen Meinungslage – 55 Prozent Sympathie für die Demokraten, 45 Prozent für die Peking-Treuen – ist dies nicht, allenfalls ein Minitsunami. Hongkong ist und bleibt eine zutiefst gespaltene Stadt.

Dann der amerikanisch-chinesische Handelskrieg. Wenn nicht in den nächsten Wochen noch eine Einigung erzielt wird und die angedrohten Zollerhöhungen in Kraft treten, werden die durchschnittlichen Sätze für chinesische Importgüter in Amerika auf 24 Prozent steigen (2017: drei Prozent), für amerikanische Importgüter in China auf 26 Prozent (verglichen mit 6,7 Prozent im Handel mit allen anderen Ländern). Betrachtet man die Schäden, die der Streit bisher in den USA angerichtet hat, hätte Präsident Trump allen Anlass, vom Abgrund zurückzutreten. Bisher nämlich haben die Amerikaner die ganze Last der Auseinandersetzung getragen.

Im Jahre 2018 stiegen die chinesischen Ausfuhren in die USA um 34 Milliarden Dollar (gleich sieben Prozent), während die US-Exporte nach China um 10 Milliarden (gleich acht Prozent) sanken. Und im laufenden Jahr gingen die chinesischen Ausfuhren nur um vier Prozent zurück, die amerikanischen aber um 24 Prozent. In der gleichen Zeit stieg das amerikanische Handelsdefizit: um 12 Prozent auf 20 Milliarden Dollar im Jahr 2018 und um weitere acht Prozent in den ersten acht Monaten von 2019. Anders als erwartet, zwangen die erhöhten Zölle die Chinesen keineswegs, ihre Preise zu senken. Die bisher eingeführten Zollsätze kosten jeden US-Haushalt 620 Dollar im Jahr; weitere Erhöhungen würden diese Summe verdoppeln. Die Chinesen hingegen wälzen die Kosten ab.

Wie sie dies bewerkstelligen, verdeutlicht der Hongkonger Geschäftsmann Weijian Shan am Beispiel des Hummerhandels. China schlug 25 Prozent Zoll auf amerikanischen Hummer, worauf der Export um 70 Prozent zurückging. Zugleich senkte Peking den Zollsatz für kanadischen Hummer auf drei Prozent, worauf sich die Ausfuhr aus Kanada verdoppelte. Der chinesische Verbraucher zahlt jetzt weniger für Hummer aus ziemlich denselben Gewässern.

Bisher hat China den Zollkrieg besser überstanden als Amerika. Am ehesten betroffen ist in der Volksrepublik ironischerweise der Privatsektor, der für 90 Prozent der Exporte aufkommt. Geht der Handelskrieg weiter, wird ausgerechnet die Privatwirtschaft geschwächt – und gestärkt wird der Staat, der allein Soja und Mais kaufen kann. Die Absurdität seiner Handelspolitik müsste Donald Trump eigentlich zu Einsicht und Umkehr bewegen.