Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die Hakenkreuzschmierereien auf einem jüdischen Friedhof in Westhoffen im Elsass scharf verurteilt. "Die Juden sind und gehören zu Frankreich", schrieb er am Dienstagabend auf Twitter. Diejenigen, die sie angriffen, bis hin zu ihren Gräbern, widersprächen allen Vorstellungen, "die wir von Frankreich haben", so der Präsident. "Antisemitismus ist ein Verbrechen und wir werden ihn bekämpfen, in Westhoffen und überall, bis unsere Toten in Frieden ruhen können." 

Unbekannte hatten zahlreiche Gräber auf einem jüdischen Friedhof geschändet. Auf 107 Grabstätten des Friedhofs Westhoffen, rund 25 Kilometer von Straßburg entfernt, seien antisemitische Inschriften gefunden worden, teilte die Präfektur Bas-Rhin mit. Auch auf dem jüdischen Friedhof der Gemeinde Schaffhouse-sur-Zorn seien am Dienstagvormittag antisemitische Graffiti entdeckt worden.

Die "abscheulichen Taten" seien eine Beleidigung der Werte der Republik, schrieb auch Frankreichs Innenminister Christophe Castaner auf Twitter. Es werde alles getan, damit diese nicht ungestraft blieben. Das Internationale Auschwitz Komitee erklärte, die Überlebenden des Holocausts seien bestürzt und empört über die Ereignisse. "Die Aggressivität und der Hass, der solchen Aktionen und Tätern innewohnt, empfinden sie als unmittelbare Bedrohung alles jüdischen Lebens in Europa über alle Grenzen hinweg", sagte Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner. Die Überlebenden hätten Angst um das Fortleben ihrer Familien. Sie seien sich längst nicht mehr sicher, "ob ihre Enkel zukünftig in Europa eine Heimat haben werden". Heubner appellierte an die europäischen Staatsoberhäupter, im Gedenkjahr 2020 und vor allem beim Gedenken der 75-jährigen Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar ein klares Signal zu setzen.

Im Elsass kommt es seit einigen Jahren verstärkt zu solchen Vorfällen. Erst im Februar waren auf einem jüdischen Friedhof in Quatzenheim rund hundert Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Auch in Paris tauchten in diesem Jahr antisemitische Schmierereien auf. 2015 waren ebenfalls im Elsass mehrere Hundert jüdische Gräber geschändet worden.

In Frankreich war die Zahl antisemitischer Übergriffe im vergangenen Jahr um 74 Prozent gestiegen. Macron kündigte ein härteres Vorgehen gegen die Täter an.