Rentenreform - Generalstreik legt Frankreich lahm In ganzen Land protestieren Menschen gegen die Rentenreform Emmanuel Macrons. Diese soll das System vereinheitlichen und Vorrechte für viele Berufsgruppen abschaffen. © Foto: Michel Euler/AP/dpa

In Frankreich hat der Generalstreik gegen die geplante Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron begonnen – und dürfte das Land weitgehend zum Stillstand bringen. Neben Mitarbeitern der Bahn streikt auch Personal an den Flughäfen, in Krankenhäusern, Schulen, bei der Müllabfuhr und im Pariser Nahverkehr. 

Tatsächlich brachten die Arbeitsniederlegungen an diesem Morgen vor allem massive Einschränkungen im Bahnverkehr mit sich: 90 Prozent der TGV-Schnellzüge wurden nach Angaben der staatlichen Bahngesellschaft SNCF gestrichen, ebenso 80 Prozent der Regionalzüge. In Paris lag der Verkehr auf elf der 16 Metrolinien lahm. Züge und Flüge zwischen Deutschland und Frankreich waren ebenfalls betroffen.

6.000 Polizisten in Paris im Einsatz

Erwartet werden die größten Proteste seit Beginn der Gelbwesten-Bewegung vor gut einem Jahr. Fast 250 Kundgebungen sind angemeldet. Das Innenministerium befürchtet Ausschreitungen und hat die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft.

Allein in Paris sind rund 6.000 Polizisten im Einsatz. Alle Geschäfte, Cafés und Restaurants entlang der Route eines geplanten Marschs sind aufgefordert worden, zu schließen. Die Champs-Élysées sowie die Bereiche um den Präsidentenpalast, das Parlament und die Kathedrale Notre-Dame sind gesperrt. Touristen sollten den Eiffelturm meiden; der Zugang könnte durch den Streik stark eingeschränkt sein. Das Louvre-Museum ließ wissen, dass es erst später öffnen könne. Hotels in Paris vermeldeten zahlreiche Stornierungen, nachdem Touristen ihre Reise nach Paris kurzfristig abgesagt hätten.

"Veraltet, unfair und zu teuer"

Die Proteste richten sich gegen die Rentenreformpläne von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Die genauen Pläne sollen erst Mitte Dezember vorgestellt werden. Schon jetzt allerdings ist bekannt, dass die Regierung Vorrechte für viele Berufsgruppen abschaffen will.

Aktuell umfasst das französische Rentensystem mehr als 40 verschiedene Pensionsformen – mit unterschiedlichen Renteneintrittsaltern und unterschiedliche n Auszahlungsmodalitäten. Macron bezeichnete das System als veraltet, als unfair und zu teuer. Er will stattdessen ein einheitliches, punktebasiertes System etablieren, in dem jeder Rentner für jeden eingezahlten Euro die gleichen Rechte hat. Die Gewerkschaften indes befürchten, dass sie länger arbeiten müssen und nach dem Renteneintritt weniger verdienen.