Hongkong - Demonstrationen gegen den Einsatz von Tränengas Am Wochenende haben die Antiregierungsproteste wieder zugenommen. Erstmals seit der Kommunalwahl vor einer Woche setzte die Polizei Tränengas ein. © Foto: Thomas Peter/Reuters

In Hongkong ist es in der Nacht erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei gekommen. Erstmals seit der Kommunalwahl am vergangenen Wochenende setzten die Sicherheitskräfte auch wieder Tränengas ein.    

Daraufhin bildeten die Demonstrantinnen und Demonstranten am frühen Sonntagmorgen einen großen Protestzug, der sich unter anderem gegen den Einsatz von Tränengas richtete. Viele Familien mit Kindern und Senioren beteiligten sich. "Kein Tränengas, rettet unsere Kinder", stand auf Plakaten. Die Polizei setzte dennoch erneut Tränengas und Pfefferspray ein.

Insgesamt waren drei Veranstaltungen genehmigt. Eine der Gruppen zog im Laufe des Vormittags mit US-Flaggen zum Konsulat der USA. Damit wollte sich die Protestbewegung für Gesetze bedanken, die US-Präsident Donald Trump am Mittwoch unterschrieben hatte. Sie sollen die Menschenrechte in Hongkong schützen. Einige Demonstranten hielten Banner mit der Aufschrift "Präsident Trump, bitte befreien Sie Hongkong" und "Lasst uns Hongkong wieder großartig machen" – eine Anspielung auf Trumps "Make America great again".

Seit Juni protestieren die Menschen in Hongkong gegen ihre Regierung. Bei Bezirkswahlen vor einer Woche hatten prodemokratische Kandidaten einen Sieg erzielt. Die Bezirksräte haben keine große Entscheidungsgewalt, aber dennoch galten die Wahlen als wichtiges Zeichen an Regierungschefin Carrie Lam. Sie weigert sich jedoch weiterhin, den Forderungen der Demonstranten nachzugeben. Diese fordern freie Wahlen eines neuen Regierungschefs und des Parlaments und eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt im Land.

Während der Proteste war es in den vergangenen Monaten immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Dies wurde nun auch von der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, angesprochen. Sie forderte am Samstag in einem Meinungsbeitrag in der South China Morning Post die Hongkonger Regierung dazu auf, eine "unabhängige und neutrale richterliche Untersuchung der Berichte über exzessive Polizeigewalt" durchzuführen. Die chinesische UN-Vertretung warf Bachelet daraufhin vor, sich in die inneren Angelegenheiten von China einzumischen und mit dem Artikel die "Randalierer" in Hongkong zu "weiterer schwerer und radikaler Gewalt" zu ermutigen.