In Hongkong ist bei einer der größten Kundgebungen seit Wochen erneut gegen die Regierung und für Freiheit demonstriert worden. Während die Organisatorinnen und Organisatoren des Protestmarsches laut lokaler Medien von 800.000 Demonstrierenden sprachen, schätzte die Polizei die Zahl der Teilnehmenden auf 183.000. Die Kundgebung ist die erste Massendemonstration seit Mitte August, die von der Polizei genehmigt wurde.

Es sei die letzte Chance für die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam, auf die Forderungen der Protestbewegung einzugehen, sagte der Aktivist Jimmy Sham von der Civil Human Rights Front (CHRF).

Die zumeist schwarz gekleideten und teils maskierten Demonstrierenden riefen den bekannten Protestslogan "Freiheit für Hongkong" und hielten Schilder mit ihren Forderungen. Andere schwenkten Flaggen der USA, Taiwans und Großbritanniens. Noch Stunden, nachdem sich der Marsch am Nachmittag im Victoria Park in Bewegung gesetzt hatte, kamen viele weitere Menschen hinzu. Bei Einbruch der Dunkelheit schalteten zahlreiche Demonstrierende die Taschenlampenfunktion ihrer Smartphones an, sodass sich das Bild eines kilometerlangen Lichterteppichs ergab.

Bevölkerung steht größtenteils hinter Demokratiebewegung

Die große Beteiligung zeigt, dass auch ein halbes Jahr nach Beginn der Proteste am 9. Juni große Teile der Hongkonger Bevölkerung noch hinter der Bewegung stehen. Dies hatte bereits das Ergebnis der Lokalwahlen vor zwei Wochen gezeigt, bei denen das Demokratie-Lager einen überraschend deutlichen Sieg errang und 17 der 18 Bezirksräte der Stadt übernahm.

Auch nach dieser deutlichen politischen Niederlage hatte Regierungschefin Carrie Lam keine Zugeständnisse an das Protestlager gemacht. Beobachterinnen und Beobachter gehen davon aus, dass sich die Demonstrationen fortsetzen werden.

Zwar kündigte Lam an, das Auslieferungsgesetz zurückzunehmen und erfüllte damit eine der Forderungen der Demonstrierenden. Die Protestbewegung will aber zudem erreichen, dass Hongkongs Regierungschefin künftig in wirklich demokratischen Wahlen gewählt und nicht wie bisher maßgeblich von der chinesischen Regierung bestimmt wird. Zudem wollen die Demonstrierenden, dass die von ihnen angeprangerte Polizeigewalt bei den Protesten untersucht wird.

Medien berichten von Waffenfund bei Razzia

Die Organisatorinnen und Organisatoren des Marsches von der Civil Human Rights Front riefen zu einem friedlichen Protest auf. Auseinandersetzungen von Demonstrierenden mit der Polizei, die die Protestaktion anders als oft in den vergangenen Monaten nicht untersagte, sollten demnach vermieden werden. Dennoch begannen einige Demonstrierende damit, Straßenblockaden zu errichten.

Kurz vor Beginn des Marsches berichteten Hongkonger Medien von einer Polizei-Razzia, bei der am Morgen Waffen radikaler Demonstrierenden sichergestellt worden seien, darunter auch eine Pistole. Während der Proteste in den vergangenen Monaten ist es immer wieder zu schweren Ausschreitungen gekommen. Laut Angaben lokaler Medien hat die Polizei bislang etwa 6.000 Demonstrierende festgenommen.