Das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump könnte die Demokraten einen Sitz im Repräsentantenhaus kosten. Der demokratische Abgeordnete Jeff Van Drew aus New Jersey habe führenden Republikanern mitgeteilt, dass er zu ihnen überlaufen werde, sagte ein Vertreter der Republikaner. Van Drew habe bereits am Freitag im Weißen Haus mit Trump über einen Seitenwechsel gesprochen. Verschiedene US-Medien berichteten unter Berufung auf namentlich nicht genannte Quellen ebenfalls über die angeblichen Pläne des Demokraten.

Trump reagierte auf Twitter mit Glückwünschen an Van Drew. "Danke für Deine Aufrichtigkeit Jeff", schrieb der Präsident. "Alle Demokraten wissen, dass Du recht hast, aber anders als Du haben sie nicht den Mumm, es zu sagen!" Er habe schon immer gehört, das Van Drew sehr clever sei, so Trump.

Ein führender Mitarbeiter der Demokraten erklärte derweil, seine Partei sei über den Schritt des Abgeordneten nicht informiert. Van Drew selbst und seine Pressestelle waren am Wochenende nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. In der Vergangenheit war der Abgeordnete Gerüchten entgegengetreten, wonach er den Demokraten den Rücken kehren wolle.

Van Drew sitzt erstmals im Kongress und vertritt einen der Wahlkreise, die Trump bei der Wahl 2016 gewonnen hatte. Er muss deshalb um seine Wiederwahl im kommenden Jahr fürchten. Nach Angaben der Demokraten könnte er sogar schon in der Vorwahl scheitern und würde gar nicht erst wieder aufgestellt.

Die Demokraten im Kongress werfen Trump vor, sein Amt missbraucht zu haben, weil er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bat, gegen Joe Biden zu ermitteln, seinen möglichen Rivalen bei der Präsidentschaftswahl 2020. Als Druckmittel soll Trump Militärhilfe für die Ukraine zurückgehalten haben. In einem zweiten Anklagepunkt werfen die Demokraten Trump Behinderung des Kongresses vor, weil er die Untersuchung im Repräsentantenhaus blockiert habe.

Das Repräsentantenhaus soll noch vor Weihnachten über eine Impeachment-Anklage abstimmen. Die eigentliche Entscheidung in dem Verfahren obliegt jedoch dem US-Senat. Da dort die Republikaner die Mehrheit haben, gilt ein Erfolg des Impeachment-Verfahrens als unwahrscheinlich.